Kunst für Demente – Der Moment zählt

Im Amsterdamer Stedelijk-Museum gibt es Führungen für Menschen, die sie bereits kurz danach wieder vergessen haben – aber dennoch rundum geniessen.

Die Zahl der Alzheimerpatienten nimmt weltweit zu. Und doch: Vielfach haben Demente keinen Platz in der Gesellschaft. Ihr Leben spielt sich nur noch im Pflegeheim oder Zuhause ab. Viele geniessen es jedoch, ganz ohne Druck am aktiven Leben teilzunehmen.

Die Erfahrung zeigt: Je besser das Gehirn Dementer stimuliert wird, desto besser funktioniert es. Dem trägt das Stedelijk-Museum in Amsterdam mit Führungen für Demente Rechnung. Speziell ausgebildetes Personal begleitet Alzheimerpatienten und ihre Betreuungspersonen durch die Ausstellungsräume mit moderner Kunst. Über eineinhalb Stunden hinweg betrachtet die Gruppe gemeinsam wenige ausgewählte Bilder, bespricht, was die Gemälde in ihnen auslösen, ob und warum sie ihnen gefallen. Das kommt gut an, es findet ein reger Austausch statt, den die Teilnehmer spürbar geniessen. Die Vermittlung von Kunstwissen ist dabei unwichtig. Erfahrungen zeigen, dass das Selbstvertrauen von Alzheimerpatienten durch solche Aktivitäten steigt. Man hört ihnen zu und geht auf sie ein.

Am Ende der Führung haben die Teilnehmer die ersten Bilder bereits wieder vergessen – auf der Heimfahrt möglicherweise bereits den Besuch im Museum überhaupt. Doch gerade, wenn einen das Gedächtnis Stück für Stück verlässt – der Moment zählt.

Derzeit werden in Holland solche Führungen erst in Amsterdam und im Vanabbe-Museum Eindhoven angeboten. Weitere Städte sollen folgen.