Medikamente und Alkohol - Finger weg!

Gegen fast jede Art von Beschwerden sind heute mehrere Medikamente auf dem Markt. Wer Tabletten aber in erhöhter Dosis schluckt oder sie ohne ärztliche Absprache mit anderen Arzneimitteln kombiniert, riskiert unvorhersehbare Wirkungen. Vor allem, wenn auch noch Alkohol mit im Spiel ist.

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Medikamente und Alkohol sind eine gefährliche Mischung

5:57 min, aus Puls vom 20.2.2012

Der überraschende Tod der Pop-Diva Whitney Houston hat erneut drastisch vor Augen geführt, was schon das tragische Schicksal der Sängerin Amy Winehouse zeigte: Medikamente und Alkohol sind ein Mix mit potenziell fataler Wirkung.

Doch es sind nicht nur Prominente, die einen unbedachten Umgang mit Schlafmitteln, Schmerzmitteln und Psychopharmaka pflegen.

Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Gesundheit nehmen fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung regelmässig Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Schmerzmittel ein. Und Fachleute schätzen, dass genau so viele Menschen regelmässig zu Psychopharmaka greifen - im zunehmenden Alter sogar bis zu 20 Prozent.

Unfälle

Durchschnittlich kommt es im Strassenverkehr Monat für Monat zu zehn Unfällen, bei denen nachweislich Medikamente oder Medikamente kombiniert mit Alkohol eine Rolle spielen. Andere Zahlen über lebensbedrohliche Reaktionen als Folge von unsachgemässem Arzneimittelgebrauch werden in der Schweiz erstaunlicherweise nicht erhoben. Fachärzte gehen aber davon aus, dass nur zwischen fünf bis zehn Prozent der schwerwiegenden Fälle überhaupt gemeldet werden, und dass es eine entsprechende grosse Dunkelziffer geben muss.

Verbrauch

Konkrete Zahlen liefern hingegen die Pharmakonzerne: Pro Jahr geben die Schweizer über 170 Millionen Franken aus für Schmerzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie für Psychopharmaka. Das entspricht fünf Millionen Packungen Psychopharmaka, also Antidepressiva und Neuroleptika, rund 7,5 Millionen Packungen Schlaf- und Beruhigungsmittel und über 24,5 Millionen Packungen Schmerzmittel.

Komplikationen

Die frei erhältlichen Schmerzmittel sind am unproblematischsten: Ihre Substanzen wirken nicht im Hirn sondern lokal dort am Körper, wo der Schmerz sitzt.

Die meisten anderen dieser Arzneimittel* wirken an Rezeptoren im Hirn und beeinflussen das Zentrale Nervensystem. Alkohol verstärkt diese Wirkung, und die Arzneimittel verstärken ihrerseits wiederum die Wirkung des Alkohols. Das kann unvorhersehbare Auswirkungen haben, je nach Medikament und Veranlagung des Patienten. Zum Beispiel Schwindel, Krampfanfälle, erhöhte Schläfrigkeit, reduzierte Reaktionsfähigkeit. Besonders perfid: Häufig reicht dafür bereits eine geringe Menge Alkohol, die ohne Medikamente bestens vertragen würde. Die möglichen Folgen sind nicht vorhersehbar - jeder Mensch reagiert individuell anders.

Doch die Fachleute wissen: Eine Überdosierung oder/und in Kombination mit Alkohol kann im schlimmsten Fall zum Tod führen. Die Atmung etwa kann derart blockiert werden, dass der Patient dabei erstickt. Auch starke Krämpfe sind möglich, die zu Erbrechen führen, das wiederum zum Ersticken führen kann. Oder der Betroffene fällt ins Koma und kann nicht mehr geweckt werden.

Fazit: Medikamente und Alkohol vertragen sich nicht gut. Wer trotzdem nicht darauf verzichten möchte, sollte sich beim Arzt oder Apotheker erkundigen.


(* gilt vor allem für die rezeptpflichtigen Schlaf- und Beruhigungsmittel, den sogenannten Benzodiazepinen und benzodiazepinähnlichen Mitteln; für die Schmerzmittel, die Opiate wie Morphium oder morphiumähnliche Wirkstoffe enthalten; bei den Psychopharmaka, also den Antidepressiva und Neuroleptika.)

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