Stressoren – Das greift auf Dauer die Nerven an

Den einen bringt Lärm auf die Palme, der andere gerät unter Zeitdruck ins Schleudern. Was wen wie schnell stresst, ist eine Frage der Persönlichkeit. Einige Gemeinsamkeiten gibt es aber.

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Stressoren - Faktoren, die den Alarm auslösen

5:18 min, aus Puls vom 14.12.2015

Prinzipiell gilt: Stress entsteht immer da, wo sich ein Ungleichgewicht entwickelt – wenn sich Aufgaben häufen, aber die Zeit knapp ist. Oder aber, wenn Aufgaben sehr komplex sind und es an Wissen mangelt. Kurzum: bei Situation, die nur noch schlecht kontrollierbar sind, oder sich zumindest so anfühlen, oder aber bei Umständen oder Aufgaben, die unvorhergesehen, neu und ungewohnt sind. Das kann im Berufsleben genauso eintreten wie im zwischenmenschlichen Miteinander.

Aber: Dinge stressen nur, wenn sie bedeutsam für einen selber sind. Unangebrachte Kommentare von jemandem, der einem egal ist, werden nicht übermässig belasten. Ebenso wie eine Person nicht übermässig in Stress wegen Zeitdrucks verfallen wird, der es nichts ausmacht, sich hinzustellen und einzugestehen, dass sie die Aufgaben in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht geschafft hat.

Laut, langweilig, sinnlos

Was jeden Menschen in welcher Ausprägung auch immer unter Druck setzt, sind im Überblick folgende Faktoren:

  • Lärm: Egal ob privat oder am Arbeitsplatz, Lärm macht die Konzentration um ein Vielfaches schwieriger und strapaziert die Nerven.
  • Monotonie: Jeden Tag immer wieder das Gleiche tun zu müssen, entspricht den meisten Menschen nicht und belastet.
  • Sinnlosigkeit: Wer keinen Sinn in seiner Aufgabe sieht, entwickelt einen Widerwillen gegen die Tätigkeit – und der setzt die Menschen unter Anspannung.
  • Zeitdruck: Muss ein Mensch zu viel in kurzer Zeit bewältigen, entsteht ein Gefühl der ständigen Überlastung.
  • Sozialer Stress: Mangelnde Anerkennung und Angriffe durch andere setzen jedem Menschen irgendwann zu.
  • Schlafentzug: Die meisten Menschen brauchen sieben bis acht Stunden Schlaf pro Tag. Schlafmangel schwächt das Nervenkostüm und macht anfälliger für Stress.

Wie stark Stressoren beeinträchtigen, hängt von deren Dauer ab. Am stärksten schädigen langanhaltende Einflüsse. Bereits nach drei bis sechs Monaten mit starken Stressoren können schon Folgekrankheiten eintreten, Bluthochdruck beispielsweise, Verdauungsstörungen oder Herzrhythmusprobleme.

Dagegen hilft nur, die Umstände so anzupassen, dass sie besser erträglich sind und Erholungsstrategien zu erlernen, denn der Leistungsgesellschaft an sich kann man sich schwer gänzlich entziehen. Oder, anders gesagt: Sprinter müssen lernen, Marathonläufer zu werden, ihr Tempo und ihre Belastungsgrenze zu finden, um sich auf Dauer, auf die Langstrecke sozusagen, ihre Kräfte gut einteilen zu können. Denn die Stressreaktion des Körpers ist in der Geschichte der Menschheit auf kurzfristige Belastungsspitzen ausgerichtet – den Kampf gegen ein wildes Tier beispielsweise oder die Flucht vor ihm. «Ein Karawane wilder Bären aber, die nicht abreisst, wird irgendwann schädlich», so Arbeitsmediziner und Stressexperte Dieter Kissling aus Baden.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 14.12.2015 21:00

    Puls
    «Puls vor Ort» zum Stress

    14.12.2015 21:00

    Stress gilt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als die grösste Gesundheitsgefahr des Jahrhunderts. Auch die Schweiz ist davor nicht gefeit.