Mit -110° C gegen Rheuma & Co.

«Puls»-Redaktorin Sarah Allemann wagt sich in die Kältekammer mit minus 110 Grad. Sonst treffen sich hier vor allem Patienten mit Gelenk-Rheuma. Aber die Kältekammer soll auch bei Neurodermitis, Psoriasis, Asthma und Depressionen helfen. Wie fühlen sich 3 Minuten bei tiefsten Minusgraden an?

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Das Versuchskaninchen testet die Kältekammer

5:29 min, aus Puls vom 29.3.2010

Der kälteste Ort der Schweiz liegt vermutlich in Bad Ragaz: Hier steht die bisher einzige therapeutische Kältekammer der Schweiz mit -110° C. Trotz der eisigen Temperatur erhält die Kältekammer viel Besuch: Denn der Kälte wird nachgesagt, dass sie bei Neurodermitis, Psoriasis, Asthma und Depressionen helfen könne. Auch manche Sportler stellen sich für ein paar Minuten in die Kälte, weil dies die Durchblutung der Muskeln verbessert.

Der Schock vertreibt den Schmerz

Die meisten Besucher aber sind Menschen mit Gelenkserkrankungen wie Rheuma oder Arthrose, aber auch mit Morbus Bechterew. Bei Ihnen hemmt die Kälte die Schmerzen - bei manchen sogar für einige Wochen. Durch die Schockkühlung der Körperoberfläche auf unter 5 Grad verspüren viele Besucher gleich nach der Kältekammer für einige Stunden weniger oder gar keine Gelenkschmerzen mehr. So ist es möglich, anschliessend Gymnastik zu machen, die sonst wegen der Schmerzen nicht mehr möglich wäre - der therapeutische Effekt ist dadurch noch grösser.

«Kälte wurde schon im 17. Jahrhundert als Mittel gegen rheumatoide Arthritis entdeckt», sagt Otto Knüsel, Chefarzt Rheumatologie an der Klinik Valens. Die Behandlung mit Kältepackungen werde bei Rheumapatienten oft angewendet. «Die Kälte wirkt auf die Gefässe: Es kommt zu einer verminderten Durchblutung und damit zu einer Abschwellung.» Zudem würden die freien Nervenendungen in der Haut gedämpft und weniger Schmerzimpulse ans Hirn weitergeleitet. Allerdings, fügt Otto Knüsel an, müsse die Kälte mehrmals pro Tag angewendet werden, damit die Schmerzen nicht zurückkehren. Hier sieht er einen Schwachpunkt bei der Kältekammer: «Wenn Sie da nur ein oder zwei Mal die Woche rein gehen, ist es fraglich, ob sie wirklich den gewünschten Effekt haben.»

Kältebrand fürs Versuchskaninchen

«Puls»-Versuchskaninchen Sarah Allemann - die kein Rheuma plagt - konnte der Kältekammer jedenfalls Gutes abgewinnen. Ihr gefiel das prickelnde Gefühl, sie begab sich nach den ersten drei Minuten nochmals für weitere zwei Minuten in die Kammer. Das war dann aber zu viel des Guten: Am nächsten Tag bemerkte sie gerötete Haut und eine Brandblase in einer ihrer Kniekehlen. «Ein harmloser Kältebrand», sagt Daniela Bachmann, welche die Kältekammer betreut. Speziell an Knien und Ellenbogen könne dies vorkommen. Die Brandwunde verheilte im Verlauf von einigen Tagen.

Ein Besuch in einer Kältekammer ist beim ersten Mal gratis, jeder weitere Eintritt kostet in Bad Ragaz 45 Franken. In der Kältekammer in Oberried BE, die im Juni 2010 eröffnet, kostet er 39 Franken. Regelmässige Besucher erhalten an beiden Orten Ermässigung. Die Kosten für die Kältekammer alleine werden von der Grundversicherung nicht übernommen. Wie die Betreiber der Kältekammer in Oberried schreiben, kann die Behandlung aber in Kombination mit einer Physiotherapiebehandlung über die Krankenversicherung abgerechnet werden, wenn dafür eine ärztliche Verordnung vorliegt.