Mundhygiene kommt im Pflegezentrum oft zu kurz

Betagte Menschen sind häufig selber nicht mehr in der Lage, ihre Zähne und Prothesen selber zu reinigen. Entzündetes Zahnfleisch und Kariesbakterien können zu dramatische Folgen für die Betroffenen führen: Mangelernährung und Lungenentzündung.

Video «Mundhygiene – In Pflegeheimen oft vernachlässigt» abspielen

Mundhygiene – In Pflegeheimen oft vernachlässigt

5:21 min, aus Puls vom 30.1.2017

Der orale Gesundheitszustand der neueingetretenen Pflegeheimbewohner ist als mangelhaft bis schlecht zu bezeichnen, so das Fazit einer Studie der Uni Zürich von 2010/2011. Lediglich drei Prozent aller Patienten zeigten saubere orale Verhältnisse – 73 Prozent der bezahnten Patienten liessen auf eine äusserst mangelhaften Mundhygiene schliessen.

Die Gründe für eine unzureichende Mundhygiene liegt einerseits bei den Patienten, die nicht mehr in der Lage sind, sich selber um ihre Zahn- und Mundpflege zu kümmern. Vor allem aber wird sie vom Pflegepersonal nicht wahrgenommen; als häufigste Gründe werden «Zeitmangel» angegeben, «Mundpflege bei Älteren ist unangenehm», und «die orale Gesundheit gehört nicht zu meinem Aufgabenbereich». Zudem wurden «ungenügende Ausbildung» sowie «schwierige praktische Ausführung der Mundhygiene» angegeben.

Mangelernährung und Lungenentzündung

Leidtragende sind die Betagten: Sie verschlucken sich häufig, und so können Kariesbakterien in die Lunge geraten und zu Lungenentzündung führen.

Alte Menschen haben schon mit gesunden Zähnen oft keinen grossen Appetit mehr. Schmerzt das Zahnfleisch wegen entzündeter Stellen unter Prothesen wie auch bei Zahnschmerzen bei defekten Zähnen, mögen die Betagten gar nicht mehr essen. Mangelernährung kann die Folge sein, die schnell zum Tode führen kann.

Cura Viva: Zahnmedizinische Betreuung in Pflegezentren

Die Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie des Zentrums für Zahnmedizin der Uni ZH hat unter der Leitung vom wissenschaftlichen Mitarbeiter Giorgio Menghini, im grössten Pflegezentrum der Stadt Zürich ein zahnmedizinisches Betreuungsprogramm entwickelt, das auf drei Stufen basiert:

  1. erhält ein Betagter eine standardisierte zahnmedizinische Eintrittsuntersuchung durch einen Zahnarzt
  2. wird ihm eine professionelle Mundhygiene zuteil, durchgeführt von einer Prophylaxe-Assistentin, die in einem zweiten Schritt das Pflegepersonal direkt am Betagten sowie in verschiedenen Pflegesituationen praktisch einweist und schliesslich der für die Betroffenen wohl wichtigste Punkt:
  3. Eine vom Pflegepersonal regelmässig durchgeführte, wirksame Mundhygiene.

Cura Viva wurde bisher im Pflegezentrum Gehrenholz umgesetzt und hat sich bewährt. Im Laufe des Jahres werden alle interessierten Pflegeheime der Stadt Zürich die Mundhygiene ebenfalls einführen. Zudem zeigen weitere Pflegeheime im Kanton Zürich, in Luzern, Schwyz, Biel und Baselland Interesse daran.

Sendung zu diesem Artikel