Vom Genuss zum Problem zur Abhängigkeit

Zum Alkoholiker wird man nicht von heute auf morgen. Die Ausprägungen und Schweregrade der Sucht sind verschieden und die Übergänge fliessend. Die Richtlinien der WHO und ein einfacher Selbsttest ermöglichen eine erste Selbsteinschätzung.

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Vom Genuss zum Problem zur Abhängigkeit

2:20 min, aus Puls vom 5.11.2012

«Ein Gläslein in Ehren, kann keiner verwehren!» So und ähnlich tönt es in gemütlicher Runde, wo gerne etwas mehr getrunken wird, als einem eigentlich zuträglich wäre. Kein Problem, solange das selten vorkommt und ein schwerer Kopf die einzige Konsequenz ist. Gefährlich wird es gemäss den Standards der Weltgesundheitsorganisation WHO jedoch, wenn im Durchschnitt täglich mehr als 40 Gramm reiner Alkohol konsumiert werden (Frauen: 20 Gramm).

40 Gramm reiner Alkohol klingt nach viel, ist aber schnell geschluckt: Vier Standardgläsern eines alkoholischen Getränkes reichen bereits, etwa vier Gläser Prosecco, Rot- oder Weisswein à 10 cl oder vier Stangen Bier (33 cl). Bei Spirituosen oder Mixgetränken (z.B. Wodka-Orange) zählen 4 cl als Standardeinheit.

Zu oft, zu viel, zur Unzeit

Beim «problematischen Alkoholkonsum» wird im Allgemeinen zwischen drei Konsum-Mustern unterschieden:

  • Chronischer Risikokonsum: Über längere Zeit (zwei Monate und länger) regelmässige Einnahme von durchschnittlich 40 (Frauen: 20) Gramm reinem Alkohol pro Tag.
  • Episodischer Risikokonsum (Rauschtrinken): Konsum von fünf (Frauen: vier) oder mehr Standardgläsern Alkoholisches bei einer Gelegenheit.
  • Situationsunangepasster Alkoholkonsum: Davon ist die Rede, wenn die Situation eigentlich keinen Alkoholkonsum zulässt, resp. der Konsum mit Risiken verbunden ist. Beispielsweise am Arbeitsplatz, im Strassenverkehr, während der Schwangerschaft, zusammen mit Medikamenten etc.

Vier Fragen geben Aufschluss

Der Übergang von einem problematischen Alkoholkonsum zu einer Abhängigkeit ist fliessend, da sich letztere nicht nur über die konsumierte Menge Alkohol definiert.

Alkoholsucht ist eine Krankheit, die anhand international geltender Kriterien diagnostiziert wird.Selbsttests ersetzen die medizinische Diagnose nicht, geben aber Anhaltspunkte, ob das eigene Trinkverhalten wohl eingehender beleuchtet werden sollte. Der CAGE-Test (Cut down, Annoyed, Guilty, Eye-opener) bedient sich dafür folgender vier Fragen:

  1. Hatten Sie schon mal das Gefühl, dass Sie Ihren Alkoholkonsum reduzieren sollten?
  2. Haben Sie sich schon darüber aufgeregt, wenn andere Leute Ihr Trinkverhalten kritisierten?
  3. Hatten Sie wegen Ihres Alkoholkonsums schon Gewissensbisse?
  4. Haben Sie am Morgen nach dem Erwachen schon als erstes Alkohol getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder den Kater loszuwerden?

Zwei oder mehr «Ja» weisen auf potenzielle Probleme im Umgang mit Alkohol bestehen könnten. So liegt die Wahrscheinlichkeit eines Alkoholmissbrauchs bei einer bejahenden Antwort bei 62 Prozent und bei zwei «Ja» bereits bei 89 Prozent. Bei drei oder vier «Ja» beträgt die Wahrscheinlichkeit 99 Prozent.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 05.11.2012 21:05

    Puls
    «Puls vor Ort» zum Thema Alkohol

    05.11.2012 21:05

    «Puls vor Ort» geht an der Wein-Ausstellung «Expovina» in Zürich mit spektakulären Experimenten und Gesprächen mit Gesundheitsexperten der Frage des Masses nach: Gibt es das «richtige Mass» Alkohol überhaupt? Wie viel ist zu viel? Und wie lässt sich das feststellen?