Standup Paddeling – Was bringt der Trendsport?

Standup Paddeling (SUP) liegt nicht nur im Trend. Wer mit richtiger Technik übers Wasser gleitet, trainiert Muskeln, vom kleinen Zeh bis zum Nacken. SUP könnte gar Einzug halten in die Physiotherapie, ist ein junger Sportwissenschaftler überzeugt.

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Standup Paddeling: Was bringt der Trendsport?

5:48 min, aus Puls vom 12.9.2016

Beim Paddeln selbst kam ihm die Idee: Sportwissenschaftler Daniel Engelhard bemerkte beim Gleiten über das Wasser, dass es ihm nicht nur Spass machte, sondern dass dabei auch praktisch alle Muskeln angespannt sind. «Das geht los im Fuss, Sprunggelenk, Knie, in der Hüfte, bis hinauf zur Wirbelsäule. Auch die Schulter ist beansprucht», zählt er auf. Eine Sportart, von denen Bandscheibenpatienten genauso profitieren können wie Kreuzband- oder Hüftpatienten? Der junge Sportwissenschaftler will das genauer unter die Lupe nehmen. Für eine grosse Studie fehlen Zeit und Geld, aber eine kleine Übungsanlage ist machbar.

Sechs Wochen paddeln

Engelhard überlegt, welche Muskelpartien am meisten vom SUP-Training profitieren und auch messbar sind. Naheliegend ist die Verbesserung des Gleichgewichts. «Davon haben alle etwas – Patienten, Sportler, aber auch ältere Menschen, für die eine gute Balance eine ideale Sturzprofilaxe ist», meint Engelhard. Er entscheidet sich für: Gleichgewicht, Rumpfkraft (vorne, seitlich, Rücken), Ruhepuls und für die Wadenmuskulatur bei zwei Probanden.

Vier Freiwillige testen in der Orthopädie St. Gallen die entsprechenden Werte vor den Sommerferien. Dann paddeln sie einen Sommer lang während sechs Wochen für den Sportwissenschaftler im Bodensee, jede Woche zwei- bis dreimal je eine Stunde lang. Andrea (42) und Tabea (25) haben eine Kreuzband-Operation hinter sich. Tabea ist sehr sportlich, Andrea weniger. Der einzige Mann, Andreas, ist 38 und sportlich, während die 60-jährige Eva sich selber als völlig unsportlich einstuft.

Die Ergebnisse

  • Nach sechs Wochen ist vor allem bei den unsportlichen Damen der Ruhepuls gesunken. Dies ist wenig erstaunlich: Je weniger trainiert ein Körper ist, desto schneller zeigen sich Fortschritte. Dass Andrea sich aber von 74 auf 56 Schläge verbessern konnte und Eva von 81 auf 70, erstaunt Daniel Engelhard dann doch.
  • Bei den Rumpfübungen haben sich alle vier Teilnehmer verbessert. Die 60-Jährige hat ihre Leistungsfähigkeit im vorderen Rumpf sogar mehr als verdoppelt. Den Rückentest hat sie ausgelassen. Die anderen haben in puncto Rückenkraft durchwegs zugelegt.
  • Wie zu erwarten, haben alle ihr Gleichgewichtsgefühl verbessert – am stärksten hat sich die Stabilität zur Seite entwickelt.
  • Die Wadenkrafttests haben die beiden Kreuzbandpatientinnen ausgelassen. Während sich Andreas verbessert hat, blieb Eva in diesem Bereich stabil.

Auch wenn die Übung zu klein angelegt ist, um wissenschaftlich fundierte und objektive Resultate zu erhalten, spricht Sportwissenschaftler Daniel Engelhard doch von übertroffenen Erwartungen und zieht ein durchwegs positives Fazit: «Durch das sechswöchige SUP-Training konnten sich die Probanden in den durchgeführten Testungen deutlich steigern. Neben Spass und Freude konnten wir deutlich positive Wirkungen auf das Herzkreislaufsystem, die Koordination und die muskuläre Leistungsfähigkeit der Probanden messen.» Gerade für ältere Personen und Sportanfänger sei SUP deshalb eine geeignete Bewegungsform und Möglichkeit, die körperliche Aktivität und die damit verbundene Lebensqualität zu erhöhen.

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