Selbständig zuhause wohnen dank Technik

Medizin

Wir werden immer älter, und gleichzeitig wächst das Vertrauen in die Technologie. Digitale Assistenz- und Überwachungssysteme könnten die Selbständigkeit von Senioren erhöhen und die Pflege unterstützen. Was gibt es schon, und was bringt die Zukunft?

Szene aus dem Living Lab.
Bildlegende: Per Roboter und Videotelefonie kann die gestürzte Person Kontakt mit Pflegenden aufnehmen. Berner Fachhochschule Medizininformatik

Jürgen Holm ist Medizininformatiker an der Berner Fachhochschule in Biel und führt das Living-Lab, eine Modellwohnung zu Forschungszwecken, die mit diversen technologischen Hilfsmitteln ausgestattet ist. Jürgen Holm nennt sie die «Brönnimann-Wohnung», da die imaginäre Frau Brönnimann drin wohnt.

«Kameras in Schlaf- und Wohnzimmer oder Bewegungsmelder gibt es schon. Verständlicherweise kommen diese Systeme nicht so gut an, man fühlt sich schnell überwacht», sagt der Medizininformatiker. Obwohl die Systeme einfach und effizient sind, haben sie eher keine Zukunft.

Sprechende Böden und intelligente Küchen

«Notfallarmbänder sind zwar häufig im Einsatz, der Nachteil ist jedoch, dass sie nur helfen, wenn sie getragen werden. Nachts, wenn das Sturzrisiko wegen der Dunkelheit hoch ist, liegen sie häufig auf dem Nachttisch.»

Technologien wie Sensoren im Boden, die einen Sturz oder sogar schon eine Gangunsicherheit registrieren, einen Notfall auslösen oder Angehörige informieren, sowie intelligente Assistenten, die erkennen, dass der Herd heiss ist, aber keine Pfanne draufsteht, sind bereits machbar. Leider sind viele Produkte und Technologien nicht miteinander verknüpft und daher nicht effizient einsetzbar.

Daten sollen in der Wohnung bleiben

Neben diversen Produkten, wie dem intelligenten Kleiderschrank, der für demente Personen gemäss Terminplan und Wetterbericht die Kleider bereitstellt, forscht Jürgen Holm mit seinen Studenten vor allem auch an der Verknüpfung verschiedener Technologien.

«Unserer Meinung nach sollten die Daten, welche die intelligenten Wohnungen sammeln, vor Ort bleiben. Erst bei vordefinierten Notfällen sollen sie raus zu den vordefinierten Empfängern», sagt Jürgen Holm.

Redaktion: Brigitte Wenger