Unheimliche Verfolgungsgefühle

Die Grossmutter schliesst plötzlich die Haustüre dreifach ab, der Jugendliche ängstigt sich aus unerklärlichen Gründen vor Anderen: Verfolgungsgefühle können jeden von uns treffen und haben ganz unterschiedliche Ursachen.

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Wie ernst muss man als Angehörige solche Verfolgungsgefühle nehmen? Welche Erkrankungen können dahinter stecken? Und ab wann ist professionelle Hilfe gefragt? DRS-Ratgeberpsychologe Viktor Meyer gibt Rat.

Jeder kann von Verfolgungsgefühlen betroffen sein. Kinder haben z.B. noch nicht die Übersicht über die Welt und sind ihren Angstphantasien rasch ausgeliefert. Gefährdet sind auch Leute, die sich von der Welt zurückziehen (z.B. Altersparanoid) und auch verschiedene Drogen wie Kokain, LSD oder Haschisch können die Neigung erhöhen, sich verfolgt zu fühlen.

Solchen Verfolgungsgefühlen kann auch eine paranoide Schizophrenie zugrunde liegen. Wesentliche Merkmale sind hierbei Wahnvorstellungen, Ich-Störungen und akustische Halluzinationen (z.B. Stimmen hören), die in ca. 80 % aller Fälle vorkommen. In einer akuten Phase steht dabei häufig die medikamentöse Behandlung im Vordergrund.

Wichtig:

  • Sich verfolgt zu fühlen ist eine menschliche Grunderfahrung, die jedem passieren kann, in einer schwierigen Lebenssituation oder bei einer psychischen Krankheit.
  • Wenn man als Angehöriger damit zu tun hat, ist es am wichtigsten, Vertrauen zu gewinnen und zuzuhören, was denn los ist.
  • Wenn man nicht mehr begreift, wenn es innert Wochen nicht bessert, wenn man die Geduld verliert, ist es gut, eine Fachperson zu Hilfe zu holen. Am besten ist es, wenn sich der Betroffene bei seinem Arzt oder bei einem Psychiater meldet.

Redaktion: Christine Schulthess