Genau 40 Jahre ist es her: Radioaktive Partikel erreichen ganz Europa, auch die Schweiz. Niederschläge waschen diese Radioaktivität aus der Luft und führen zu Ablagerungen. Behörden reagieren mit Schutzmassnahmen.
-
Bild 1 von 3. Einsatzkräfte in Schutzkleidung, 1986. Bildquelle: Imago Images.
-
Bild 2 von 3. Sogenannte Liquidatoren messen die Strahlung auch auf den Feldern, 1986. Bildquelle: Imago Images.
-
Bild 3 von 3. Der Kontrollraum mit Schalttafeln im Reaktorblock 3 von Tschernobyl. Bildquelle: LOOKSfilm.
Was ist passiert? Am 26. April 1986 explodiert gegen 1:23 Uhr nachts in Tschernobyl in der heutigen Ukraine ein Reaktor. Die Serie «Tschernobyl – die Katastrophe» schaut auf den Atomunfall zurück, wie es dazu kommt und wie schwerwiegend die Folgen sind.
Der Bau von Tschernobyl
Es soll ein Prestigeobjekt werden und endet in einer Nuklearkatastrophe: 1970 beginnt die Sowjetunion mit dem Bau des Atomkraftwerks Tschernobyl und der Atomstadt Prypjat im Gebiet der heutigen Ukraine.
Dank des geheimen Superreaktors RBMK soll hier das grösste Atomkraftwerk der Welt entstehen. Auch erhofft sich die Sowjetunion dadurch enormes Wirtschaftswachstum und historischen Erfolg.
Man glaubte daran, dass die Atomkraft die Welt verändern wird.
Viele Menschen glauben an die Atomkraft und arbeiten stolz am riesigen Energieprojekt. «Man glaubte daran, dass die Atomkraft die Welt verändern wird», sagt der ukrainisch–US-amerikanische Historiker Serhii Plakyh rückblickend. Erste Warnungen von technischen Problemen und Störfällen werden ignoriert.
Die Nacht der Katastrophe
Was als routinemässiger Sicherheitstest beginnt, endet im ersten offenliegenden Atomreaktor der Welt. Ein Test soll zeigen, dass die Anlage auch bei einem Stromausfall problemlos weiterläuft.
Die Belegschaft koppelt die Anlage vom Sicherheitssystem ab, was ein katastrophaler Fehler ist. Der Test entgleitet. Die Leistung des Reaktors steigt, die Hitze vervielfacht sich und die atomare Kettenreaktion gerät ausser Kontrolle. Der gesamte Reaktorblock 4 im Kernkraftwerk explodiert. Eine radioaktive Teilchenwolke entweicht in die Nacht und treibt Richtung Prypjat. Die Stadt schläft und niemand bemerkt die Katastrophe.
Was wurde vertuscht?
Erst 36 Stunden nach der Katastrophe wird die verstrahlte Stadt Prypjat evakuiert. In der Stadt gilt eine Informationssperre. «Alles war sehr geheim», sagt der Atomingenieur Nikolai Steinberg. Die Bevölkerung ahnt damals noch nicht, was im ukrainischen Tschernobyl geschehen ist.
Alles war sehr geheim.
18 Tage nach der Katastrophe richtet sich der damalige Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, erstmals an das Volk. Die Welt fordert Aufklärung über den Unfall in Tschernobyl. Zuerst wird das Kraftwerkspersonal zum Sündenbock der Katastrophe.
Erst 4 Jahre nach dem Unfall erfährt die Öffentlichkeit, dass der RBMK-Reaktor aufgrund seiner Konstruktion tödlich wurde. Die Aufarbeitung in Zeiten des Zusammenbruchs der Sowjetunion gestaltet sich schwierig. Die Reaktorkatastrophe wird für viele Menschen zum Symbol für die Verschleierungstaktik der sowjetischen Führung.
Die vierteilige Serie «Tschernobyl – Die Katastrophe» zeigt, wie es 1986 zum Reaktorunglück kommt und welche offenen Fragen bis heute bestehen.