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WG der Religionen Buddhismus in der Schweiz

Vorträge, Meditationen, Kurse, Retreats – individuell und in der Gruppe: Der Buddhismus ist in der Schweiz durch zahlreiche unterschiedliche Gruppierungen und Angebote vertreten.

Ein Fachwerk-Bauernhaus umgeben von herbstlichen Bäumen.
Legende: Haus Tao, Buddhistisches Meditationszentrum im Kanton Appenzell Ausserrhoden SRF/haustao.ch

Buddhistische Institutionen gibt es in der Schweiz seit dem Anfang des letzten Jahrhunderts. Einen Aufschwung erlebte diese in sehr verschiedenen Traditionen und Richtungen existierende Religion in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Stetes Wachstum

Nach der Integration von Tibet in die Volksrepublik China und dem Aufstand von 1959 erbauten in der Schweiz aufgenommene Flüchtlinge ein Zentrum in Rikon im Kanton Zürich. Dieses Zentrum ist weit über die Schweizer Grenzen hinaus von Bedeutung.

Seither ist die Anzahl an Klöstern, Zentren und Meditationsgruppen stetig gewachsen. Flüchtlinge aus Vietnam haben die Zahl zugewanderter Buddhisten noch einmal stark vermehrt. 1978 wurde die erste Dachorganisation, die Schweizerische Buddhistische Union, gegründet.

Glossar

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Theravāda: älteste buddhistische Tradition, vor allem in Sri Lanka, Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam verbreitet; im Kloster zu leben ist eine Idealvorstellung.

Mahāyāna: zweiter grosser Traditionskomplex, vor allem in Vietnam, Japan, Taiwan, China und Korea verbreitet; eher weltlich orientiert mit Fokus auf der Nächstenhilfe.

Vajrayāna: Teil des Mahāyāna auch Lamaismus genannt, vor allem in Bhutan, Tibet und Nepal, in der Schweiz durch die tibetische Migrationsgemeinde vertreten

Zen-Buddhismus: ostasiatische Richtung des Mahāyāna mit besonderer Betonung der Meditation.

Zazen: (sitzende) Meditationstechnik des Zen-Buddhismus.

Nach wie vor ist der Buddhismus durch Einwanderer geprägt, die unterschiedlichen Traditionen folgen. Doch buddhistisch geprägte oder auch nur inspirierte Meditationspraktiken erfreuen sich im Westen schon lange grosser Beliebtheit.

Kein Schöpfergott im Zentrum

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sicher gehört dazu, dass man Buddhismus hier als offene Philosophie und Geisteshaltung versteht, und dass kein allmächtiger Schöpfergott im Zentrum steht.

Westlicher Buddhismus unterscheidet sich oft sehr stark von traditionellen asiatischen Formen des Buddhismus. Daraus ergeben sich nicht selten Spannungen zwischen Migrationsgemeinden, die den in ihrer Kultur verwurzelten Buddhismus leben, und westlich geprägten Buddhisten und Gemeinschaften.

Verlässliche Zahlen fehlen

Gemäss dem Bundesamt für Statistik lebten 2016 etwa 37’000 Buddhistinnen und Buddhisten in der Schweiz. Dies sind etwa 0.5 % der Gesamtbevölkerung. Verlässliche Zahlen dazu, wie viele sich der einen oder anderer Tradition verpflichtet fühlen, gibt es nicht.

Ausserdem geben Menschen, die sich zum Beispiel dem Zen-Buddhismus zuwenden, bei statistischen Erhebungen oftmals eine andere Religionszugehörigkeit an, der sie sich ebenfalls verpflichtet fühlen.

Liberal – politisch wie religiös

Die meisten Mitglieder dieser Gemeinschaften, die sich klar als Buddhistinnen und Buddhisten definieren, sind nach wie vor Zugewanderte. Sie gehören in der Schweiz zu den nichtchristlichen Minderheiten. Es gibt über 100 meist sehr kleine buddhistische Gruppen.

Die Mehrheit der praktizierenden Buddhisten sind Frauen zwischen 30 und 60 Jahren. Buddhistische Gemeinschaften bezeichnen sich oft als liberal, in religiösen und politischen Angelegenheiten ebenso wie in ihrem Verständnis von Geschlechterrollen.

Das Begleitteam

Begleitmaterialien zur Reihe «WG der Religionen» wurden von einem Team des Religionswissenschaftlichen Seminars der Universität Zürich erarbeitet:

  • Margherita Brodbeck Roth, Fabienne Iff, Nora Luisa Kaiser, David Kobelt, Alice Küng, Prof. Dorothea Lüddeckens, Jill Marxer, Prof. Dr. Christoph Uehlinger

«WG der Religionen»

Ein Christ, eine Muslimin, ein Jude, eine Buddhistin und ein Atheist erproben das interreligiöse Zusammenleben.

4 Folgen jeweils donnerstags. Ab 29.11.2018, 21:05 Uhr, SRF 1 und nach Ausstrahlung bei Play SRF.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Müller (Hugh Everett)
    Weshalb hatten die Buddhistischen Klöster im Tibet so viele Leibeigene? (bis zu 20'000) Weshalb wird das Karma einer Prostituierten erhöht, wenn sie mit einem buddhistischen Mönch Sex hat? (hat mir ein Buddhistischer Mönch erzählt) Weshalb spricht der Dalai Lama so viel über Demokratie? Er wurde ja nicht demokratisch gewählt?
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    1. Antwort von Nora Kaiser (Nora Luisa Kaiser)
      Lieber Herr Müller, Ihre Fragen bewegen sich auf verschiedenen Ebenen. Gerne verweise ich Sie auf das Video von Prof. Dr. Dorothea Lüddeckens, die aufzeigt, dass in jeder Religion ein Gewaltpotenzial steckt. Es ist übrigens auch immer eine Frage der Perspektive - mit den eigenen Werten auf eine andere Tradition zu blicken, kann schnell zu Urteilen führen, die für die jeweils andere Perspektive unverständlich ist. Religionswissenschaftler vermeiden diesen "Eurozentrismus" so gut es geht.
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    2. Antwort von Andreas Müller (Hugh Everett)
      Egal aus welcher Perspektive ich auf Leibeigene blicke, erscheint mir diese Option Leibeigenschaft als nicht erstrebenswert.
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