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Gewalt im Namen des wahren Glaubens
Aus WG der Religionen vom 26.11.2018.
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WG der Religionen Gewalt im Namen des wahren Glaubens

Die Behauptung, «der Islam» neige zu Gewalt oder «der Buddhismus» sei friedfertig, greift zu kurz. Jede Religion kann auf verschiedene Weise verstanden und ausgelebt werden. Immun gegen Gewalt ist keine.

Die Aussagen von Prof. Dr. Dorothea Lüddeckens und die Artikel im Rahmen der Reihe «WG der Religionen» wurden im Team des Religionswisschenschaftlichen Seminars der Universität Zürich erarbeitet. Das Begleitteam um Frau Lüddeckens setzte sich zusammen aus:

  • Margherita Brodbeck Roth, Fabienne Iff, Nora Luisa Kaiser, David Kobelt, Alice Küng, Jill Marxer, Prof. Dr. Christoph Uehlinger

Gewalt im Namen der Religion

Vieles geschieht im Namen von Religion: Muslimische Mystiker schreiben Gedichte, der «Islamische Staat» (IS) sprengt syrisches Kulturgut in die Luft.

Christliche Organisationen helfen Bedürftigen, gleichzeitig steigt die Zahl der Missbrauchsfälle und der Übergriffe in der katholischen Kirche und in christlichen Heimen.

Buddhistische Meditation soll Gefängnisinsassen und Manager beruhigen, Buddhisten in Myanmar töten Muslime.

Religionswissenschaft

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  • erforscht «Religion» als Teil kultureller und gesellschaftlicher Kommunikation in Geschichte und Gegenwart
  • thematisiert «Religion» und «Religionen» in ihren jeweiligen gesellschaftlichen Kontexten
  • analysiert «Religionen» als sinnhafte menschliche Handlungszusammenhänge, die individuell und gemeinschaftlich durch Überzeugungen, Konventionen und Verbindlichkeiten bestimmt werden
  • ist eine Wissenschaft, die theoretisch robuste Fragestellungen mit historisch-philologischen oder sozialwissenschaftlich-empirischen Methoden klärt
  • ist grundsätzlich bekenntnisfrei.

ReligionswissenschaftlerInnen müssen selbst nicht religiös sein und stellen keine religiösen Fragen, sondern beschäftigen sich mit Religion als einem kulturell und gesellschaftlich relevanten Phänomen.

Weitere Infos unter:

https://www.religionswissenschaft.uzh.ch/de/relwi.html

Wer aus solchen Ereignissen ableiten will, die eine oder andere Religion habe mehr Gewaltpotenzial, greift zu kurz: Weder neigt «der Islam» zu Gewalt, noch ist «der Buddhismus» friedfertig. Jede Religion kann auf verschiedene Weise verstanden und ausgelebt werden; die Interpretation und praktische Anwendung liegt in Händen von Menschen und Gemeinschaften.

Eine Studie des amerikanischen Pew Research Center fand 2012 heraus, dass religiös angeheizte Spannungen sich in Ländern mit buddhistischer Bevölkerungsmehrheit ebenso leicht entzünden konnten wie in solchen mit muslimischer Mehrheit.

Auch das Christentum ist gegen Gewalt nicht immun: Man denke an die zentralafrikanische «Lord’s Resistance Army» unter Joseph Kony oder die Folterer von Abu Ghraib – es waren Christen.

Viele Gläubige meinen, wer Gewalt mit seiner Religion rechtfertige, würde diese falsch verstehen und missbrauchen. Sie disqualifizieren Gewalttätige aus der eigenen Tradition als fehlgeleitete Fanatiker. So versuchen sie, mit der Gewalt in der eigenen Religion umzugehen, sich davon zu distanzieren und sie zu relativieren. Dass Menschen ihre Religion in ein gutes Licht rücken wollen, ist nachvollziehbar. Aber den Opfern von religiös legitimierter Gewalt ist damit nicht geholfen. Für muslimische Rohingas in Myanmar ist es irrelevant, ob ihre Peiniger, darunter buddhistische Mönche, die buddhistische Ethik richtig oder falsch verstehen. Dennoch bleibt die Auseinandersetzung mit Gewaltpotential in der eigenen Religion schwierig und schmerzhaft.

In einer pluralistischen, demokratisch verfassten Gesellschaft sind Andersgläubige grundsätzlich gleichberechtigt, solange sie den gesellschaftlichen Frieden nicht gefährden und die Rechtsordnung respektieren. Doch auch in diesen Gesellschaften werden eigene Glaubensvorstellungen manchmal absolut gesetzt und als einzig gültigen Weg dargestellt.

«WG der Religionen»

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Ein Christ, eine Muslimin, ein Jude, eine Buddhistin und ein Atheist erproben das interreligiöse Zusammenleben.

4 Folgen jeweils donnerstags. Ab 29.11.2018, 21:05 Uhr, SRF 1 und nach Ausstrahlung bei Play SRF.

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