IKRK-Chef: «Wir erreichen mehr Menschen»

  • Mittwoch, 27. Mai 2009, 13:00 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 27. Mai 2009, 13:00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 27. Mai 2009, 20:34 Uhr, DRS 4 News
    • Donnerstag, 28. Mai 2009, 0:35 Uhr, DRS 4 News
    • Donnerstag, 28. Mai 2009, 4:33 Uhr, DRS 4 News

Das IKRK hat 2008 so viel Geld ausgegeben wie noch nie, aber auch viel mehr Bedürftige erreicht. Im «Tagesgespräch» warnte IKRK-Chef Kellenberger, die globale Krise werde vor allem die Ärmsten treffen: «Das wird enorme Folgen haben».  

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat im vergangenen Jahr so viel Geld ausgegeben wie noch nie zuvor. Dies habe zum einen damit zu tun, dass sich die Situation in vielen Ländern verschlechtert hat, sagte IKRK-Chef Jakob Kellenberger im «Tagesgespräch» von Schweizer Radio DRS.

Zum anderen habe die Organisation ihr Einsatzgebiet 2008 aber auch erweitert. «Wir erreichen mehr Menschen», so Kellenberger. Im vergangenen Jahr habe es zudem Fälle gegeben, in denen in einigen Gebieten bewaffnete Konflikte mit Naturkatastrophen zusammengefallen seien.

«Lage hat sich für viele verschärft»

Gleichzeitig habe sich die Situation noch durch steigende Nahrungsmittelpreise verschärft. Insofern stimme der Eindruck, dass sich im vergangenen Jahr die humanitäre Lage für viele Menschen durch Kriege, Vertreibung und Hunger nochmals verschärft habe, so Kellenberger.

Der IKRK-Chef wies ausserdem darauf hin, dass in den Konflikten der vergangenen Jahre immer weniger Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen wurde. Die Unterscheidung zwischen Kämpfenden und Zivilisten sei einer der zentralen Pfeiler des Völkerrechts, nicht immer aber werde sie eingehalten - aus verschiedenen Gründen. So spielten sich Kriege heute zunehmend in der unmittelbaren Nähe der Zivilbevölkerung ab, zudem seien Zivilisten häufig auch involviert.

«Krise trifft die Schwächsten»

Kellenberger äusserte die Befürchtung, dass die globale Wirtschaftskrise die Schwächsten viel stärker treffen werde. «Die Ärmsten hängen oft nicht nur von der internationalen Hilfe ab, sondern auch von Verwandten, die im Ausland arbeiten», so der IKRK-Chef. Diese Verwandten seien aber häufig die ersten, die in der Krise ihre Arbeit verlören. «Das wird enorme Folgen haben.» 

Kellenberger appellierte an Medien und Öffentlichkeit, nach bewaffneten Konflikten oder Katastrophen auch die Folgen im Auge zu behalten. Meistens konzentriere sich die Aufmerksamkeit auf die Phase des eigentlichen Krieges, dann aber schwinde das Interesse. (ank)