Seit fast vier Jahrzehnten ist Sandra Studer aus der Schweizer Fernsehlandschaft nicht wegzudenken – als Sängerin, Moderatorin und Theaterfrau. Der vorläufige Höhepunkt ist die Moderation des ESC in Basel. Sie hat in ihrer Karriere Erfolge, Ruhm und Freundschaften gewonnen, privat gleichzeitig schwierige Momente meistern müssen.
ESC als Sprungbrett
Alles beginnt 1988 mit Céline Dions Auftritt am ESC. Die Souveränität, die Stimme, die Präsenz – all das beeindruckt Sandra Studer so sehr, dass sie selbst auf diese Bühne will.
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Bild 1 von 5. Sandra wird 1969 geboren und wächst mit zwei Schwestern in Zollikerberg auf – als Tochter einer spanischen Mutter und eines Schweizer Vaters. Bildquelle: Privat / Sandra Studer.
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Bild 2 von 5. Dass Sandra auf die Bühne will, begeistert ihre Eltern nicht. Sie sehen im Showbusiness keinen Platz für ihre Tochter. Bildquelle: Privat / Sandra Studer.
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Bild 3 von 5. Ihr Musiklehrer spielt eine entscheidende Rolle darin, dass Sandra Freude an der Musik entdeckt. Bildquelle: Privat / Sandra Studer.
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Bild 4 von 5. Mit «Canzone per te» singt sie sich am ESC in Rom auf den fünften Platz. Bildquelle: SRF Archiv.
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Bild 5 von 5. In ihrer Moderationspremiere 1991 interviewt sie die Talklegende Kurt Aeschbacher. Bildquelle: SRF Archiv.
1991 steht sie beim ESC in Rom auf der Bühne. Gleichzeitig wagt sie den nächsten Schritt: ihre erste Moderation im TV.
Ende «Takito», Beginn Familie
Sandra Studer moderiert Formate wie «Country Roads», «Traumziel» und ihre Lieblingssendung «Takito». Als diese 1998 endet, beginnt für sie ein neues Kapitel: Die Familie rückt in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Luka Müller zieht sie vier Kinder gross.
Als ihre zweitjüngste Tochter Nina zur Welt kommt, verändert sich alles: Sie wird drei Monate zu früh geboren, wiegt nur 870 Gramm. «Das war ein Erdbeben in unserer Familie», sagt Studer. «Plötzlich ist da ein Häufchen Leben, welches eigentlich noch in mir drin sein sollte».
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Bild 1 von 3. Drei Monate lang besucht sie ihre Tochter zweimal am Tag in der Neonatologie. Bildquelle: Privat / Sandra Studer.
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Bild 2 von 3. Für Sandra ist es ein Wunder, wie sich Nina entwickelt hat und was sie heute für ein Mensch ist. Bildquelle: Privat / Sandra Studer.
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Bild 3 von 3. Mit ihrem Partner Luka Müller (61) hat sie vier Kinder (v. l.n.r): Julia (18), Nina (19), Lili (25) und Gian (27). Bildquelle: Privat / Sandra Studer.
Die Zeit in der Neonatologie prägt sie tief. «Diese Zeit habe ich in Erinnerung, wie wenn eine Käseglocke über meinem Leben gelegen hätte.» Alles ausserhalb verliert an Bedeutung. Angst und Hoffnung bestimmen den Alltag. Heute geht es Nina gut. «Sie ist unser Wunder», sagt Studer.
Die Krebsdiagnose: ein zweites Erdbeben
2019 folgt der nächste Einschnitt. Sandras Ehemann Luka Müller erhält die Diagnose Krebs. «Vor sieben Jahren ist so etwas wie ein zweites Erdbeben durch die Familie gekommen», sagt Studer. Operationen, Bestrahlungen, Rückfälle – ein ständiges Abwarten auf neue Werte. Es ist noch nicht ausgestanden. «Jetzt warten wir. Es geht sicher nochmals los», sagt Luka, der nicht hadert mit seiner Krankheit.
«Ich habe noch keine Nacht schlecht geschlafen wegen des Krebs», sagt er. Sein Umgang mit der Krankheit habe sie «aus den Socken gehauen», sagt Sandra Studer dazu.
ESC-Moderation: Ein Geschenk des Universums
Mehr als 30 Jahre nach ihrem eigenen Auftritt steht Sandra Studer wieder im Zentrum des ESC – diesmal als Moderatorin. Dabei entsteht auch eine neue Freundschaft mit Co-Moderatorin Hazel Brugger.
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Bild 1 von 3. Hazel versucht Sandra und sich selbst zu vermitteln, dass egal was am ESC passiere, sie werden einen Plausch haben, also «why not have a Plausch», so Hazel. Bildquelle: Privat / Nicole Simmen.
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Bild 2 von 3. «Ich wusste, das ist mein Gspändli und sie passt auf mich auf», so Sandra über Hazel. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Studer habe Hazel von Anfang an das Gefühl gegeben, sie könne einfach sie selbst sein. Als sie 11 Minuten vor der Sendung Sandra fragt, ob sie es blöd finden würde, wenn sie ihre Nase an die Plastikfolie drückt, meinte Sandra: «Ich finde nichts blöd.» Das habe Hazel tief berührt. Bildquelle: SRF.
Für Hazel ist Sandra die perfekte Partnerin in dieser Extremsituation. Beide seien ausgeprägte Familienmenschen. Noch nie habe sie mit einer Mutter gearbeitet, die so genau habe benennen können, wie sie sich gerade fühle. «Und die so gut verstanden hat, wie hart der Spagat zwischen zwei kleinen Kindern und einem Auftritt ist», sagt Hazel.
Am Ende steht für Studer vor allem eines fest: Der ESC ist mehr als ein Wettbewerb. «Das war der Anfang von allem. Dass das noch mal in mein Leben zurückkommt auf diese Art – das ist nichts anderes als ein Geschenk des Universums.»