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Gehörlos geboren Clara über ihr Cochlea-Implantat: «Manchmal ist es anstrengend»

Clara wurde gehörlos geboren. Wie sie mit Cochlea-Implantat lernt, hört, lebt – und von der Bühne träumt.

Am Morgen im Walliser Dorf Lax beginnt Clara Burgeners Tag oft ruhig. Ihre Mutter Jasmine verständigt sich mit ihr in einer einfachen Gebärdensprache. Vom Hörgerät, das Cochlea-Implantat (CI), will die Achtjährige frühmorgens häufig nichts wissen.

«Ob sie das Hörgerät morgens anzieht, ist ganz unterschiedlich. Manchmal steht sie auf und zieht es sofort an. Manchmal hat sie gar keine Lust», sagt Jasmine. Auf die Frage, weshalb sie das Hörgerät morgens nicht sofort anzieht, bringt es Clara schlicht auf den Punkt: «Dann habe ich Ruhe.»

Was ist ein Cochlea-Implantat?

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Anatomische Illustration des menschlichen Ohrs mit markierter Cochlea und Hörnerven.
Legende: Das Cochlea-Implantat übernimmt die Aufgabe der Cochlea und gibt die Reize an die noch intakten Hörnerven weiter. imago images

CI bedeutet Cochlea-Implantat. Das sind Hörgeräte mit einem Mikrofon, einem Sprachprozessor und einer Elektrode, die direkt im Innenohr implantiert sind. Mit diesen Hörgeräten können auch fast taube Menschen hören lernen.

Das Gehirn lernt nur in den ersten Jahren Hören und auch Sprachen einfach und mühelos. Hat es die ersten fünf bis sieben Jahre verpasst, wird es sehr schwierig oder gar aussichtslos.

Erst wenn Gespräche intensiver werden oder es Richtung Schule geht, wird das CI wichtig. «In der Schule ist es nicht praktisch ohne. Mit Freunden ist es besser, wenn du es trägst, nicht?», fragt Jasmine. Clara nickt.

Früherkennung bei Neugeborenen

Kurz nach Claras Geburt wird bei einem Hörscreening klar, dass sie nichts hört. «Das war schon ein Schockmoment», erzählt Jasmine 2019 im Film «Hören und dazugehören» von NZZ Format. «Man denkt, man habe ein Kind, das nie hören und nie integriert sein wird.» Sie dachte, sie müsse Clara in ein Internat für Gehörlose weggeben.

Für Burgeners ist dennoch klar, wie es weitergeht. «Die Entscheidung für das CI war für uns keine Diskussion», sagt Jasmine. Vater Mario Burgener erläutert: «Wir lernten auch Leute kennen, die die Operation hatten. Sie unterstützten uns und fanden, das komme gut.»

Mit sechs Monaten wird Clara operiert. Als fünf Wochen nach der Operation das Gerät getestet wird, lächelt und reagiert Clara. Die Erleichterung ist gross.

Wie Geräusche und Stimmen für Clara?

Heute fährt Clara mit dem Zug in die Primarschule nach Fiesch. Lehrerin Simone Bachmann achtet besonders auf sie. «Ich achte sicher ganz gut darauf, dass Clara guten Sichtkontakt zu mir hat und mein Gesicht und meine Lippen sieht.» Trotzdem kann der Schulalltag anstrengend sein für Clara: «In der Schule geht es gut für mich. Aber wenn es laut ist, finde ich es nicht so gut. Es ist anstrengend. Und auch ein bisschen mühsam». Claras Hirn muss ständig Höreindrücke filtern. Das brauche viel Kraft.

Wie Geräusche und Stimmen mit einem Cochlea-Implantat tönen, weiss niemand genau. «Es klinge elektronisch und computerhaft. Mickymaushaft, sagen viele Leute, die das erklären können», erklärt Jasmine.

Lehrerin Simone Bachmann versucht, das Thema der Klasse näher zu bringen. «Was wirklich spannend ist: Clara hört nicht genau gleich wie wir. Es ist ganz schwierig, sich das vorzustellen. Clara weiss nicht, wie wir hören.» Die Lehrerin zeigt der Klasse Beispiele, wie Sprache für Clara klingen könnte.

Eine besondere Stellung in der Familie

Clara hat wegen ihrer Hörbeeinträchtigung eine besondere Stellung in der Familie. Die Jüngste darf sich Dinge rausnehmen, die für ihre drei Geschwister verboten sind.

Clara geht oft vom Tisch weg sobald es ihr zu laut ist. Die anderen Kinder denken manchmal, die Eltern seien unfair.

Nach der Schule wird getanzt und gesungen

Mit ihren Freundinnen hört Clara Musik und tanzt. Die «Schwiizergoofe» sind angesagt. Claras Wunsch ist klar: «Ich möchte bei ihnen mitmachen und neben ihnen stehen und mittanzen.» Über die Stiftung Wunderlampe geht dieser Wunsch in Erfüllung. «Für mich ist es das Schönste, zu sehen, dass sie integriert ist», sagt Jasmine. Auch Mario ist bewegt: «Meine Vorstellung war, dass meine Tochter mich als Vater nicht versteht, ich nicht mit ihr kommunizieren kann.»

SRF 1, SRF bi de Lüt – Familiensache, 30.1.2026, 20:10 Uhr ; 

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