Die Hüfte als Achillesferse – nicht nur bei Stancescu

Hüftprobleme haben Victor Stancescu zum Abbruch seiner Profikarriere gezwungen. Überhaupt machen sie zahlreichen Eishockeyanern zu schaffen. Der frühere Flyers-Captain rät, die Warnzeichen frühzeitig zu erkennen.

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Hüftleiden: ein verbreitetes Phänomen

6:37 min, aus sportlounge vom 28.9.2015

Victor Stancescu war der erste Schweizer Eishockeyaner, der sich an der Hüfte operieren liess. 2003 und auch 2006 nochmals legte sich der Flügelspieler in einer Berner Klinik unters Messer.

Victor Stancescu liegt bäuchlings auf dem Eis. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Einer hohen Belastung ausgesetzt Stancescu musste immer wieder viel einstecken. EQ Images

Verursacht durch eine Überbelastung in der Wachstumsphase hatte sich am Oberschenkelhals eine Knochennase gebildet. In der Fachsprache wird das Symptom Impingement genannt – was so viel wie Zusammenstossen oder Einklemmen bedeutet.

Frühe Behandlung ist essenziell

Lange Zeit hatte der Zürcher das chronische Problem im Griff, auch weil er ihm konsequent vorbeugte. «Ich machte spezifische Kräftigungs- und Mobilisationsübungen», erklärte Stancescu. Erst in den letzten anderthalb Jahren habe sich der Zustand merklich verschlechtert, wurden die Einschränkungen auf dem Eis grösser. Deshalb musste der Captain der Kloten Flyers einsehen, dass mit 30 Jahren seine Zeit als Profisportler abgelaufen ist.

«  So etwas darf man nicht verdrängen, denn da geht es um den eigenen Körper.  »

Victor Stancescu

Heute ist Stancescu längst nicht mehr der Einzige, den ein Hüftleiden plagt. Auch viele Junioren klagen infolge der hohen Belastungen beim Skaten mit gleichzeitigen Dehnbewegungen über Schmerzen in diesem Bereich, weshalb die medizinischen Abteilungen der Klubs ein Auge darauf haben. So etwa wird bei den Zürcher Unterländern reagiert, sobald dieses Symptom auftritt. Das kann bei einem 12-Jährigen der Fall sein.

Ein künstliches Gelenk droht

Für Stancescu ist es zentral, dass die Jungen trotz Konkurrenzkampf das Problem ernst nehmen. «So etwas darf man nicht verdrängen, denn da geht es um den eigenen Körper. Deshalb sollte man ehrlich genug zu sich selbst sein, auch die Klubs stehen in der Verantwortung.»

Aus diesem Grund war es Stancescu auch wichtig, ein zweites Standbein neben dem Eishockey aufzubauen. Obschon er sagt, «es braucht noch Zeit, mich vom Leben als Profi zu lösen», eröffnen sich ihm als Jurist neue Perspektiven. Dennoch wird er den Preis für seinen irreparablen Knorpelschaden bezahlen müssen: In ein paar Jahren ist ein künstliches Hüftgelenk fällig.

Sendebezug: SRF zwei, sportlounge, 28.09.2015 22:25 Uhr