«Das Selbstvertrauen ist nicht das gleiche»

Vieles hat sich zuletzt beim FCB verändert, eines ist aber gleich geblieben: Fabian Frei spielt beim Meister eine zentrale Rolle. Im Interview spricht der Mittelfeldspieler über das Rotationsprinzip von Coach Paulo Sousa und das Cupspiel in Winterthur.

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Vorschau auf Winterthur - Basel

2:06 min, vom 18.9.2014

Fabian Frei, eine Schätzfrage zu Beginn: Können Sie sagen, wie viele Minuten Sie in dieser Saison bereits gespielt haben?

Frei: Hmm... Ich würde sagen rund 500.

Es sind 713 Minuten. Sie sind wohl nicht der einzige FCB-Spieler, der momentan Mühe hat, den Überblick zu bewahren. Coach Paulo Sousa lässt viel rotieren, kein Spieler kann sich seiner Position sicher sein. Spürt man in der Mannschaft eine gewisse Unsicherheit?

Unsicherheit würde ich nicht sagen. Es ist für den einen oder anderen Spieler aber bestimmt ungewohnt. Die Wechsel haben aber auch ihre guten Seiten: Alle 25 Spieler müssen in jedem Training Vollgas geben, das wirkt sich positiv auf die Qualität aus. Jeder Spieler weiss, dass er eine Einsatzchance hat, wenn er sich im Training voll reinhängt.

War das zuvor bei Murat Yakin nicht mehr der Fall?

Er hatte seine zwei, drei Spieler, auf die er gesetzt hat. Bei «Muri» wusste ich, welchen Stellenwert ich habe. Das gibt natürlich eine gewisse Sicherheit. Es ist aber nicht so, dass ich das Vertrauen jetzt nicht spüre, es ist einfach eine andere Situation. Auch ich muss mir in jedem Training auf gut deutsch den A.... aufreissen. Sousa hat sich für das Rotations-Prinzip entschieden, das gilt es für uns Spieler zu akzeptieren.

Ein nachdenklicher Fabian Frei. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Jeder Spieler muss in jedem Training Vollgas geben.» Fabian Frei EQ Images

Blicken wir mit etwas Abstand noch einmal auf das 1:5 gegen Real Madrid zurück. Der FCB-Tenor nach der Niederlage war: «Das ist der amtierende Champions-League-Sieger, da kann man so verlieren.» Greift diese Analyse nicht etwas zu kurz?

Nein, das würde ich immer noch so sagen. Natürlich: Nach dem Spiel denkt man über gewisse Szenen nach und erkennt, was man besser hätte machen können. Aber mit Real stand uns ein sehr, sehr starker Gegner gegenüber. Nicht umsonst sind diese Spieler hunderte Millionen wert. Wir haben aber bestimmt nicht unseren besten Match gezeigt. Jetzt haben wir in der Champions League noch 5 Spiele, um es besser zu machen.

Die unmittelbare Zukunft heisst für den FCB nicht Santiago Bernabeu, sondern Schützenwiese. Am Sonntag steht das Cupspiel gegen Winterthur an. Dieses Duell gab es bereits vor zwei Jahren. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Partie?

Muss ich jetzt ehrlich sein? (lacht) Natürlich habe ich die strittige Szene mit Yann Sommer noch im Kopf (siehe Video, Anm. d. Red.). Ich erinnere mich aber vor allem daran, dass es ein extrem schwieriges Spiel gegen eine überdurchschnittliche Challenge-League-Mannschaft war. Das sind sie in diesem Jahr auch, deshalb müssen wir aufpassen. Ich weiss aber auch noch, dass wir weitergekommen sind und den Cup gewonnen haben. Deshalb sind es am Ende schöne Erinnerungen.

Der FCB hat zuletzt zweimal verloren und dabei acht Gegentore kassiert. Macht das die Aufgabe gegen den «Underdog» umso gefährlicher?

Das Selbstvertrauen ist bestimmt nicht das gleiche, wie wenn wir zweimal gewonnen hätten. Andererseits wäre dann die Gefahr, den Gegner zu unterschätzen, viel grösser. Mit einem guten Ergebnis in Madrid wäre der Wechsel bestimmt schwieriger gewesen. Jetzt kommen mit Winterthur und Vaduz zwei wichtige Spiele, wo wir gefordert sind. Ich bin aber überzeugt, dass wir beide Partien gewinnen werden.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 16.09.2014, 20:00 Uhr. / SRF zwei, sportlive, 17.09.2014, 20:00 Uhr.