Schachtar Donezk: Fussball wird zur Nebensache

Der neunfache ukrainische Meister Schachtar Donezk steht aufgrund des Krieges in der Heimat vor dem Zerfall. Das Achtelfinal-Duell in der Champions League gegen Bayern München am Dienstag wird daran auch nichts ändern.

In der Donbass Arena in Donezk ist angesichts der Ukraine-Krise nicht an Fussball zu denken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Panzer statt Fans In der Donbass Arena in Donezk ist angesichts der Ukraine-Krise nicht an Fussball zu denken. Keystone

«Königsklasse». Runde der besten 16. Duell gegen die Stars von Bayern München. Eigentlich würden die Fans von Schachtar Donezk am Dienstag voll und ganz auf ihre Rechnung kommen. Doch an Fussball denkt im Osten der Ukraine im Moment niemand. Schuld ist der Krieg, der die Region und seine Bewohner schon seit Monaten arg beutelt und schon Tausende Opfer gefordert hat.

Schachtar-Trainer Lucescu zur Situation (Englisch, Quelle: SNTV)

0:43 min, vom 17.2.2015

Sinnbildlich für die aussichtslose Situation in Donezk steht auch die Donbass Arena, in der Schachtar seit 2009 seine Heimspiele ausgetragen hatte. Das hochmoderne Stadion wurde mehrfach von Explosionen erschüttert. Granatsplitter haben die Fassade und auch den Eingangsbereich beschädigt. Statt fussballverrückten Fans stehen vor der Arena Panzer.

Schachtar droht der Zerfall

Mittlerweile trägt Schachtar seine Heimspiele im Stadion von Lwiw aus. 1200 km westlich von Donezk erfährt der neunfache ukrainische Meister jedoch keine grosse Unterstützung. Oft ist ein Grossteil des Publikums sogar gegen die «Heimmannschaft». Das ukrainische Fussball-Aushängeschild ist heimatlos geworden, steht vor einer wahren Zerreissprobe.

Denn es stellt sich die Frage, wie lange internationale Stars wie Luiz Adriano, Douglas Costa oder Alex Teixeira Schachtar unter den gegebenen Umständen noch treu bleiben. Fast um jeden Donezk-Akteur kursierten in der Winterpause Wechselgerüchte, im Sommer hatten einige aus Angst um ihre Sicherheit sogar die Wiedereinreise verweigert.

CL-Duell unter speziellen Vorzeichen

Trotz aller Widrigkeiten und Fragezeichen im Hinblick auf die Zukunft des Klubs geht für Schachtar am Dienstag das Tagesgeschäft wieder weiter. In Lwiw kommt es im Achtelfinal der Champions League zum Duell gegen Bayern München. Auch beim deutschen Meister, der seine Ambitionen mit der 8:0-Demontage des HSV am Samstag eindrücklich angemeldet hat, löst die Partie in der Ukraine gemischte Gefühle aus.

«Das geht jedem ans Herz»

«Es ist ein eigenartiges Empfinden, gegen eine Mannschaft zu spielen, die in einem Kriegsgebiet beheimatet ist», meinte beispielsweise Bayern-Stürmer Thomas Müller. Man sei zwar Fussballspieler, aber immer erst Mensch, ergänzte Arjen Robben. «Das geht jedem ans Herz», so der Holländer. Auch Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach von einem komischen Gefühl. «Aber wir tun jetzt gut daran, die Politik Politik sein zu lassen».

Sicher ist: Für die meisten Ukrainer dürfte die Partie in Lwiw angesichts der politischen Lage in der Heimat höchstens eine Randnotiz bleiben.

Next stop Lviv! #ChampionsLeague

Ein von David Alaba (@da_27) gepostetes Foto am

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 14.02.15, 23:45 Uhr / SRF 4 News, 16.02.15, 11:30 Uhr