Karabach Agdam: Der Exil-Klub aus der Geisterstadt

Der EL-Gegner von YB, Karabach Agdam, spielt seit der Besetzung der Region Karabach 1993 im Exil in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Die Stadt Agdam ist heute nur noch eine Geisterstadt.

Der Konflikt, das Exil und die Fans

  • Die Region Bergkarabach wurde nach dem Ende der Sowjetunion ab 1993 zum umkämpften Terrain zwischen den beiden Nachbarländern Armenien und Aserbaidschan. Obwohl mehrheitlich Armenier in der Region leben und die Unabhängigkeit proklamiert wurde, zählt sie bis heute zu Aserbaidschan. Sie wird jedoch teilweise immer noch von armenischen Truppen besetzt.
  • Die Stadt Agdam ist über die Jahre zu einer Geisterstadt mutiert. Die lokale Fussballmannschaft Karabach Agdam spielt deshalb im Exil in Baku. Die Spiele werden im Nationalstadion von Aserbaidschan, dem Tofiq-Bahramow-Stadion ausgetragen. Es ist benannt nach dem Linienrichter, der im WM-Final 1966 das berühmte Wembley-Tor mitverantwortete.
  • Die Fans der Mannschaft sind vorwiegend Bewohner aus der Region Agdam oder verstreut in Aserbaidschan lebende Flüchtlinge. Zudem konnte man durch die nationalen Erfolge und die Qualifikation für Europa-Spiele Fans aus ganz Aserbaidschan für sich gewinnen.

Die Mannschaft: Drei Brasilianer und ein alter Bekannter

  • Das Team besteht vorwiegend aus einheimischen Spielern. Verstärkt wird die Mannschaft durch wenige Spieler aus dem Ausland.
  • Die Stars der Mannschaft von Gurban Gurbanov sind die drei Brasilianer Richard, Chumbinho und Reynaldo. Die Südamerikaner wurden für viel Geld zum Klub gelotst und sorgen für offensive Schlagkraft.
  • Auch ein Spieler mit Schweizer Bezug ist bei Karabach zu finden. Ansi Agolli, albanischer Nationalspieler, spielte von 2005 bis 2007 bei Xamax und Luzern. Danach landete der 32-Jährige via Finnland, Albanien und der Ukraine in Aserbaidschan.

Die Spielweise, die letztjährigen Erfolge und die verlorene CL-Quali

  • Die Mannschaft überzeugt durch abgeklärtes Defensivspiel, schnelle Konter und gepflegtes Passspiel. Die Offensive mit den drei Brasilianern, dem Spanier Dani Quintana und dem Marokkaner Alharbi El Jadeyaoui ist schnell, wendig und dürfte YB wohl vor einige Probleme stellen.
  • Letztes Jahr liess man in der Europa-League-Gruppenphase mit guten Leistungen aufhorchen. Gegen Saint-Etienne, Inter Mailand und Dnjepr Dnjepropetrowsk realisierte Karabach 4 Unentschieden und verlor nur 2 Mal.
  • In der diesjährigen CL-Qualifikation scheiterte man in Runde 3 an Celtic Glasgow. Der 0:1-Auswärtsniederlage im Celtic Park folgte ein 0:0. Nun soll gegen YB die Europacup-Teilnahme doch noch gesichert werden.

Sendebezug: Radio SRF 4 News, Morgenbulletin, 20.08.2015, 07:17 Uhr