Blickt man auf die Uefa-Klubrangliste, dann hätte St. Gallen in der 2. Runde der Qualifikation zur Europa League kein schwierigeres Los ziehen können. Benfica liegt auf Rang 17 dieser Liste, unmittelbar hinter Porto, ebenfalls einem Klub aus Portugal.
Vor dem Duo sind ausschliesslich Vereine aus den Top-5-Ligen klassiert. Zum Vergleich: Das am zweithöchsten klassierte Team in der 2. Runde der EL-Quali, Ferencvaros Budapest, liegt lediglich auf Rang 37. St. Gallen, das am Donnerstag im Hinspiel zu Hause antreten darf, ist also nicht zu beneiden. Das Rückspiel findet am Donnerstag in einer Woche statt.
Ohne Niederlage nur auf Rang 3
Doch warum hat es Champions-League-Dauergast Benfica, das die Gruppenphase der «Königsklasse» seit 2010 nur einmal (2020/21) verpasst hat, «nur» für die Europa-League-Qualifikation gereicht?
Man könnte dies als eine miese Laune des Schicksals bezeichnen. Denn obwohl die Lissaboner letzte Saison in der Liga in 34 Spielen ohne Niederlage (!) geblieben sind, reichte es nur für Rang 3 – hinter Meister Porto und Stadtrivale Sporting.
Neuer Trainer, neuer Spielstil?
Bei Benfica dürfte auf die neue Saison hin nun ein Philosophie-Wechsel stattfinden. Startrainer José Mourinho hat «die Adler» Richtung Real Madrid verlassen. Unter dem neuen Trainer Marco Silva sollen die taktischen Fesseln gelöst werden, vom rein ergebnisorientierten Defensivfussball hin zum aktiven, offensiven Ballbesitzfussball.
Dies dürfte auch Starstürmer Vangelis Pavlidis, dem mit Abstand besten Torschützen der letzten Saison, entgegenkommen. Und der Grieche zeigte sich bereits wieder in ausgezeichneter Frühform, erzielte er doch 2 der 3 Tore in den beiden Testspielen gegen Villarreal (2:0) und CR Flamengo (1:2) vor dem Ernstkampf in St. Gallen.
Für Benficas zweitbeste Offensivkraft Andreas Schjelderup dürfte die Partie am Donnerstag noch zu früh kommen. Der Norweger weilte zuletzt nach dem sensationellen Vorstoss seiner Nationalmannschaft in den Viertelfinal an der WM 2026 noch im Urlaub. Schjelderup glänzte an der WM mit einem Traumtor beim 1:2 n.V. gegen England, welches das Aus besiegelte.
Benficas Schiffbruch in Basel
An Schweizer Gegner im Europacup hat Benfica indes nicht die besten Erinnerungen. In der Neuzeit traf man viermal auf den FC Basel, wobei nur gerade 1 Sieg gelang (1 Remis, 2 Niederlagen). Unvergessen bleibt dabei die Basler Sternstunde mit dem 5:0-Erfolg in der Gruppenphase der Champions League 2017/18, als Dimitri Oberlin den Turbo zündete und nach einem Wahnsinnssprint zum 2:0 traf.
Das wäre unter «Kontrollfreak» Mourinho wohl kaum möglich gewesen. Doch wer weiss, vielleicht können die St. Galler unter Benficas neuem Trainer Silva ihr Heil ebenfalls in schnellen Gegenstössen suchen.