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SRF-Schiedsrichter-Experte Amhof: «Der Video-Beweis macht den Fussball gerechter»

Sascha Amhof steht an der WM als Schiedsrichter-Experte für SRF im Einsatz. Der 38-Jährige erklärt im Interview, warum er für den Video-Beweis ist.

Legende: Video Amhof befürwortet den Videobeweis abspielen. Laufzeit 02:40 Minuten.
Aus sportaktuell vom 13.06.2018.

SRF Sport: Sascha Amhof, erinnern Sie sich noch an Ihren grössten Fehlentscheid?
Sascha Amhof: Ach… Es ist schwierig, den grössten Fehlentscheid zu eruieren. Aber ich erinnere mich schon noch sehr lebhaft und schmerzlich an den einen oder anderen groben Schnitzer. Muss ich sie aufzählen?

Den 8. November 2015 werden Sie kaum vergessen haben. Basel lag gegen GC 2:3 zurück, als kurz vor Schluss Breel Embolo zu Fall kam.
Ja, das ist so eine Szene, sie ist sofort wieder präsent. Embolo wurde hinten am Bein getroffen, ich habe es schlicht falsch eingeschätzt. Es war aber ein klarer Penalty, den ich verpasst habe.

Hätte Ihnen der Video-Beweis geholfen?
Ja, das denke ich. Denn es war ein klarer Treffer, den man mit dem Video hätte auflösen können.

Wie stehen Sie persönlich zum Video-Beweis?
Ich glaube, der Video-Beweis macht den Fussball gerechter, weil man grobe Fehlentscheide korrigieren kann. Insofern bin ich als Schiedsrichter, der für Fairness einsteht, ein klarer Befürworter.

Der VAR (Video Assistant Referee) kommt diesen Sommer erstmals an der WM zum Einsatz. Zu früh?
Kann ein Hilfsmittel, das den Schiedsrichtern hilft, die korrekten Entscheidungen zu finden, zu früh kommen? Gleichzeitig habe ich vollstes Vertrauen, dass man den Videobeweis sachgerecht einsetzen wird.

Viele Fans und Beobachter befürchten ein Chaos. Wie schätzen Sie die Vorarbeit der Fifa ein?
Die Fifa hat allein seit Anfang Jahr 3 Seminare, die je eine Woche dauerten, durchgeführt. Das werden erfahrene Leute sein, welche eine sehr gute Ausbildung haben und ihren Job verstehen.

Sascha Amhof

Sascha Amhof

Schiedsrichter-Experte

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Sascha Amhof war Fifa-Referee und pfiff am 3.12.2017 sein letztes Spiel in der Super League. Der 38-Jährige arbeitet ab 1. August zu 100 Prozent als Ausbildungsverantwortlicher für die Schiedsrichter beim Schweizer Fussball-Verband. Während der WM in Russland kommt der Aargauer für SRF als Schiedsrichter-Experte zum Einsatz.

Ein Argument für den Video-Beweis lautet, dass die Schiedsrichter besser geschützt sind?
Das ist sehr wichtig. Man will ja primär klare Fehlentscheidungen verhindern.

Was hätte wohl Referee Michael Oliver im CL-Viertelfinal Real - Juventus entschieden, hätte er den Video-Beweis zur Verfügung gehabt?
Das ist genau so eine Situation, in welcher der VAR nicht geholfen hätte. Für 50 Prozent der Leute war es ein Penalty, für die andere Hälfte keiner. Das gehört zum Fussball und solche Entscheide mit den entsprechenden Emotionen wird es weiterhin geben.

Die Fifa hat ein grosses Interesse an guten Schiedsrichter-Leistungen.

Schlechte Schiedsrichter-Leistungen an Weltmeisterschaften haben fast schon Tradition. Macht es Sinn, dass alle 6 Konföderationen berücksichtigt werden? Die 36 Schiedsrichter und 63 Assistenten, Link öffnet in einem neuen Fenster kommen aus 46 Ländern.
Ich habe sehr grosses Vertrauen in die Fifa und die Verbände. Denn sie haben ihrerseits ein Interesse an guten Schiedsrichter-Leistungen. Die Referees in Russland haben alle ein sehr gutes Niveau.

Ist das Kommunikations-Chaos nicht vorprogrammiert?
Das ist nie auszuschliessen. Aber Englisch ist die gemeinsame Sprache und es wird, so viel ich weiss, in (sprach-)regionalen Teams gearbeitet.

Sie werden an der WM als SRF-Experte die Spiele aus der Schiri-Perspektive analysieren. Warum eigentlich? Sie hätten doch noch weiterpfeifen können.
Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Aber ich habe mich schon länger entschieden, einen Schlussstrich unter meine aktive Karriere zu ziehen. Dass ich mich vor Beginn des neuen Jobs (siehe Box) rund um die WM einbringen kann, habe ich nie erwartet. Das freut mich ausserordentlich.

Legende: Video Amhof zur Qualität der Schweizer Schiedsrichter abspielen. Laufzeit 00:16 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 05.06.2018.

Sendebezug: SRF zwei, Road to the Fifa 2018, 03.06.2018, 17:30 Uhr

6 Kommentare

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  • Kommentar von Henri Huber (Bailey53)
    Im Tennis gibt es kein Unentschieden, da gibt es nur einen Gewinner und einen Verlierer. Auch wenn beide toll gespielt haben. Gerechtigkeit ist kein Ziel im Sport, ein Wettkampf soll spannend sein, hochstehend, dramatisch, emotional, fair auch, aber um Gottes Willen nicht gerecht. Der Videobeweis wird wie jeder andere Schiedsrichterentscheid ein Tatsachenentscheid sein, der Zuwachs an Gerechtigkeit inbezug auf das SPIELERGEBNIS wird in der Summe Null sein. Henri Huber
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  • Kommentar von Armin Meile (MrMele)
    Beim Videobeweis von "trügerischer Scheingerechtigkeit" zu reden, halte ich für zu negativ. Natürlich wird der Videobeweis Fehlentscheidungen nicht abschaffen. Aber es gab in der Geschichte des Fussballs eine Reihe von entscheidenden + haarsträubenden Fehlentscheiden, die mittels Videobeweis hätten verhindert werden können. Bei einer Sportart, wo soviel Geld fliesst, ist es nicht mehr als vernünftig, auf höchster Ebene technische Hilfsmittel einzusetzen, um etwas mehr Gerechtigkeit zu schaffen.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Dann schauen sie sich die letzte Partie Dortmund gegen Bayern an, 3 klare Fehlentscheide, und kein Videobeweis! Oder die Partie Mainz gegen Schalke, nach Videobeweis, Fehlentscheid bestätigt. Sie wollen den Videobeweis, wenn man dann in Ruhe die Zeitlupe ansieht, streiten sich 4 Fachleute, die 5 Meinungen vertreten. Man streitet sich immer noch wann man den Videobeweis verlangen darf und wer. Aber das wird alles ignoriert!
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    2. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Der Mensch ist so zum Sicherheitsfanatiker geworden, das kommt mir langsam vor wie eine Krankheit, doch dafür gibt es ja Rezepte, Videokontrolle! Videokontrolle wo man hin sieht, dann fühlt sich der Mensch sicher und wenn das nichts mehr nützt halt noch mehr Kontrolle. bei jedem Vertrag den Fußballer abschließen am besten 2 Notare dazustellen und eine Kamera die es Live Überträgt, das jeder mitverfolgen kann , das da nicht geschummelt wird! Ja, das ist die Sicherheit die wir uns Wünschen!
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Der Video Beweis ist eine trügerische Schein Gerechtigkeit. Tatsache ist das viele Experten , Spieler, Trainer und andere verantwortliche in Deutschland das heute kritischer sehen. Viele Mängel für die ich verhöhnt wurde,, auch hier, haben sich schlussendlich bewahrheitet. Ich bleibe dabei Fehlentscheide gehören zum Fußball wie zum Alltäglichen Leben. Wer das nicht verkraftet wird stets im Leben Probleme haben. Nur der Tot ist Perfekt, und der auch nur weil wir nichts über ihn wissen.
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