In der 70. Minute ereignete sich im WM-Viertelfinal zwischen der Schweiz und Argentinien – kurz nach dem Ausgleich durch Dan Ndoye – eine Szene, die die Gemüter erhitzt hat. Und dies womöglich noch eine Weile tun wird. Breel Embolo wurde an der Mittellinie bedrängt. Er spürte einen Gegenspieler heranstürmen und hob ab, bevor es effektiv zum Kontakt gekommen war.
Der Schiedsrichter realisierte dies zuerst nicht und zückte die gelbe Karte gegen Leandro Paredes. Der VAR meldete sich mit dem Hinweis «mistaken identity» und überprüfte den Vorgang. Diese Regel ist neu ins Leben gerufen worden, für den Fall, dass auf dem Rasen der falsche Spieler verwarnt wird.
«Die Karte kann übertragen werden»
Auf dem Bildschirm realisierte der Unparteiische Joao Pinheiro dann effektiv, dass Embolo erst in der Luft getroffen wurde. Folglich änderte er seinen Entscheid. Die gelbe Karte ging stattdessen an den Schweizer Stürmer – und weil es nach einem sanktionierten Foul kurz vor der Pause dessen zweite Verwarnung war, wurde die Nummer 7 vom Platz gestellt. Embolo hatte seinen Farben einen Bärendienst erwiesen und zog mit Tränen in den Augen von dannen.
Sascha Amhof, der für SRF als Schiedsrichter-Experte das Turnier begleitet, findet den Entscheid aufgrund der vorliegenden Grundlage korrekt und konsequent. «Denn seit Turnierbeginn liegen die Fakten dafür auf dem Tisch, die Teams sind entsprechend instruiert worden.» Die Regel besage, dass eine falsch adressierte gelbe Karte an einen anderen Spieler übertragen werden könne. «Und das gilt eben auch teamübergreifend», bringt es Amhof auf den Punkt.