«Die beste Auswahl hat heute gegen die beste Nationalmannschaft gespielt», sagte Spaniens Nationalcoach Luis de la Fuente nach dem 2:0-Sieg im Halbfinal gegen Frankreich. Er strich damit den Wert des Teams hervor.
Natürlich hat auch Spanien ein Starensemble. Doch bis auf Lamine Yamal versprüht keiner den Glamour eines Kylian Mbappé. Ein Sinnbild dafür ist Captain Rodri von Manchester City. Der Ballon-d'Or-Gewinner von 2024 steht mit seinem in die Hose gesteckten Trikot für Bodenständigkeit.
Unscheinbare Fussball-Maschinerie
Auch Trainer de la Fuente hat nicht die Aura eines Star-Trainers. Bescheidenheit ist beim 65-Jährigen Trumpf. Eine grosse Spielerkarriere kann der gelernte Linksverteidiger ebenso wenig vorweisen wie ein beeindruckendes Palmarès als Klub-Trainer. Sein Impact im Nationalteam war aber immens: Nach dem Abgang von Luis Enrique nach der WM 2022 führte er Spanien 2023 zum Gewinn der Nations League und 2024 zum EM-Titel. Mit dem WM-Titel folgt nun die absolute Krönung.
Spanien spielt anno 2026 wie mit seiner Superelf von 2010. Nur vielleicht noch etwas besser. Wie vor 16 Jahren ist Ballbesitz das Markenzeichen, doch die neue Generation um Lamine Yamal agiert deutlich direkter, vertikaler und aggressiver als noch vor einigen Jahren.
Trainer de la Fuente hat seit seinem Amtsantritt ein unscheinbares Fussball-Monster erschaffen, das unbemerkt daherkommt und lautlos sein Gift injiziert. Auf unfaire Mittel verzichten die Spanier aber für gewöhnlich.
Ein Team ohne Allüren
Seit März 2023 hat eine beeindruckende Serie Bestand: 38 Pflichtspiele in Folge hat «La Roja» nun nicht mehr verloren (den Final in der Nations League verlor man 2025 im Penaltyschiessen). Mit de la Fuente ist dem in den letzten Jahren so durchgeschüttelten spanischen Verband ein Glücksgriff gelungen.
Denn der aus der Weinregion La Rioja stammende Fussball-Lehrer kennt die Spieler noch aus Jugend-Zeiten. 2015 führte er Mikel Merino, Rodri und Co. zum U19-EM-Titel, 2019 Dani Olmo, Mikel Oyarzabal und Fabian Ruiz zum U21-EM-Titel. 2021 resultierte Olympiasilber. Mit dabei: Marc Cucurella, Unai Simon und Pedri.
Was für ihn spricht und gleichzeitig auch für den Charakter seiner Spieler: Nach aussen drang während des gesamten Turniers keinerlei Unruhe. Jeder kennt und akzeptiert seine Rolle. Dabei hatte de la Fuente einige heikle Personalentscheide zu treffen.
De la Fuente mit goldenem Händchen
Nach dem 0:0 im Startspiel gegen Kap Verde mussten sich Gavi und Rechtsverteidiger Marcos Llorente fortan mit der Ersatzrolle begnügen. Es schlug die Stunde von Pedro Porro. Und Barcelonas Starspieler Pedri fand sich in der K.o.-Phase ab den Viertelfinals plötzlich auf der Bank wieder. Mit Fabian Ruiz übernahm immerhin ein zweifacher Champions-League-Sieger von PSG den Part im Mittelfeld neben Rodri.
Nennenswert ist auch der Fall von Edel-Joker Mikel Merino. Der Arsenal-Profi rutschte in letzter Minute ins WM-Kader. Nach langer Verletzungspause hielt ihm de la Fuente jedoch stets einen Platz frei. Trotz zwei Last-Minute-Treffern gegen Portugal und Belgien schaffte es Merino aber nicht in die Startelf.
Vielleicht zeigt sich de la Fuentes Durchsetzungskraft am besten anhand der Personalie Unai Simon. Der Torhüter von Athletic Bilbao lief nie Gefahr, seinen Platz zwischen den Pfosten zu verlieren. Er stach dabei mit David Raya (Arsenal) und Joan Garcia (Barcelona) zwei Meister ihres Fachs aus.