Erst himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt: Die aberwitzige Schlussphase beim Spiel zwischen Algerien und Österreich hat den Iran in ein unerwartetes und am Ende herzzerreissendes Gefühlschaos gestürzt. Nach dem späten Führungstreffer der Algerier (90.+3) wähnte sich das «Team Melli» doch noch im Sechzehntelfinale der WM – ehe Sasa Kalajdzic die Iraner mit dem Ausgleich zum 3:3 (90.+6) aus allen Träumen riss. Der Iran hatte vergebens gezittert und muss als nur neuntbester Gruppendritter die Heimreise antreten. Aber nicht wegen einer «Schande von Kansas City».
«Bei einem 3:3 kann niemand davon ausgehen, dass das jetzt ein Freundschaftsdienst für irgendjemanden war. Und mit den Wendungen in den letzten 90 Sekunden schon gar nicht. Es ist schade für den Iran. Aber der Modus ist so, wie er ist. Den kann man jetzt gut oder schlecht finden», sagte Österreichs Teamchef Ralf Rangnick.
Siegtor aberkannt
Das iranische Team von Trainer Amir Ghalenoei hatte am Samstag zum Gruppenabschluss ein 1:1 gegen Ägypten geholt. Das dritte Remis und damit drei Punkte und eine ausgeglichene Tordifferenz reichten letztlich nicht. Auch in dieser Partie war der Ausgang dramatisch. Iran erzielte in der 93. Minute den vermeintlichen 2:1-Siegtreffer und feierte diesen ausgiebig. Wegen einer Fussspitze im Abseits wurde das Tor jedoch wieder zurückgenommen. Ein 2:1 hätte für das Weiterkommen gereicht, das Remis tat es, weiss man nun, nicht.
Es ist das passende Ende einer mehr als komplizierten Weltmeisterschaft für den Iran in einem Land, mit welchem man sich im Kriegszustand befindet. Einreise-Restriktionen und der kurzfristige Wechsel des Basecamps ins mexikanische Tijuana verkomplizierten die Mission erheblich.
Senegal mit drei Punkten
Einzig der Senegal schaffte es mit drei Punkten, aber eben einer positiven Tordifferenz in die nächste Runde. Schottland und Südkorea hatten am Sonntag ebenfalls vergeblich gehofft und müssen wie schon zuvor Uruguay die Heimreise antreten.