Dreimal zückte Wilton Sampaio im WM-Eröffnungsspiel im Aztekenstadion die rote Karte. Der 44-jährige Brasilianer stellte zwei Südafrikaner und einen Mexikaner vom Platz.
Die folgenreichen Szenen im Einzelnen:
- 49. Minute: Der Mexikaner Brian Gutierrez zieht alleine aufs südafrikanische Tor, verfolgt von Sphephelo Sithole. Gutierrez macht einen leichten Schwenker in Sitholes Laufweg. Der 27-jährige Südafrikaner kann das Foul nicht vermeiden. «Eine klare rote Karte», kommentierte SRF-Schiedsrichter-Experte Sascha Amhof.
- 80. Minute: Mexikos Roberto Alvarado geht nach einem Zweikampf mit Themba Zwane zu Boden. Der vom VAR avisierte Sampaio schaut sich die Szene im Video an und sieht, wie Zwane rechts am seitlich stehenden Alvarado vorbeiziehen will und dem Mexikaner gleichzeitig mit der linken Hand ins Gesicht schlägt. Der Unparteiische beurteilt dies als Tätlichkeit. «Ein Schlag gegen den Kopf reicht für eine rote Karte», sagt Amhof. «Das Kriterium ‹besondere Härte› ist dafür nicht notwendig.» Anderer Meinung ist der deutsche Ex-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer: «In Realgeschwindigkeit und ohne die Schauspielerei des Gegners wäre es keine rote Karte gewesen, auch wenn man es regeltechnisch vertreten kann», sagte er im ZDF.
- 92. Minute: Mexikos Cesar Montes fällt auf der defensiven linken Seite den Südafrikaner Khuliso Mudau. Sampaio entscheidet erneut auf Notbremse – ein vertretbarer, aber nicht zwingender Entscheid. Doch Amhof meint: «Er (Mudau, Anm. d. Red.) hätte noch ein paar Schritte machen und dann aufs Tor schiessen können. Es ist kein Verteidiger mehr da. Ich glaube, es ist korrekt und konsequent.»
Doppel-Platzverweis vor 36 Jahren
Mit dem dreifachen Rot stellte die Eröffnungspartie 2026 das erste Spiel der WM 1990 in den Schatten, als Kamerun gegen Argentinien zwei Spieler durch Platzverweis verlor (André Kana-Biyik und Benjamin Massing) – und dennoch 1:0 gewann.
Den allgemeinen WM-Platzverweisrekord knackte das Spiel allerdings nicht. Im Achtelfinal 2006 zwischen Portugal und den Niederlanden, auch «Schlacht von Nürnberg» genannt, erhielten vier Spieler Gelb-Rot: die Portugiesen Costinha und Deco sowie die Niederländer Khalid Boulahrouz und Giovanni van Bronckhorst.