Wenn in der Nacht um 04:00 Uhr Schweizer Zeit in Kansas der Ball rollt (SRF zwei live), wird Österreich genau wissen, welches Resultat gegen Algerien welche Auswirkungen hat. Denn danach folgen keine Gruppenspiele mehr.
Die Ausgangslage in der Gruppe J ist eigentlich einfach: Argentinien ist als Gruppenerster durch. Gewinnt Österreich gegen das punktgleiche Algerien oder holt ein Unentschieden, so bleibt das ÖFB-Team aufgrund der besseren Tordifferenz Zweiter und trifft im Sechzehntelfinal auf Spanien.
Mit einer Niederlage käme Österreich zwar um Spanien herum, allerdings würde dann auch das WM-Out drohen. Um als einer der 8 besten Gruppendritten weiterzukommen, dürfte dann nicht mehr als ein Team in dieser Spezialtabelle vorbeiziehen. Will heissen:
- Kroatien, der aktuell Drittplatzierte aus der Gruppe L, darf gegen Ghana nicht punkten.
- In der Gruppe K darf die DR Kongo nicht gegen Usbekistan gewinnen.
Dass dies eintrifft, ist durchaus möglich. Sollten obige zwei Fälle vorher eintreten, wäre eine Niederlage für Österreich bei Spielbeginn also keine Option mehr.
Österreicher wollen nicht paktieren
«Es ist sicherlich von Vorteil, dass wir das allerletzte Spiel von allen haben, so dass wir zu Beginn des Spiels schon ganz genau wissen, welches Ergebnis es braucht», räumte ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick am Freitag ein. Die Österreicher werden also genau verfolgen, was zuvor in den Gruppen K und L passiert.
Absprachen wären möglich, doch im Lager der Österreicher will man davon nichts wissen. Ein Remis würde beiden Mannschaften zum Weiterkommen reichen, aber man werde «die Mannschaft sicher nicht ins Rennen schicken, um unentschieden zu spielen», sagte Rangnick. «Wir wollen gewinnen», betonte Bayern-Profi Konrad Laimer. Und Stefan Posch von Bundesligist Mainz meinte: «Ich kann ja nicht ins Spiel gehen und sagen, heute will ich unentschieden spielen oder verlieren. Das funktioniert nicht.»
Rächt sich Algerien für die «Schande von Gijon»?
Genau dies passierte jedoch 1982 bei der WM in Spanien, als es zur «Schande von Gijon» kam. Rückblick: Am 25. Juni 1982 benötigte Deutschland nach der peinlichen 1:2-Auftaktpleite gegen Algerien einen Sieg zum Weiterkommen, Österreich reichte eine knappe Niederlage, um die punktgleichen Nordafrikaner aus dem Wettbewerb zu werfen. Nach dem frühen 1:0 durch Horst Hrubesch stellten beide Mannschaften nach und nach ihre Offensivbemühungen ein. Die algerischen Fans auf den Rängen wedelten mit Geldscheinen. Mehrere Spieler gaben im Nachhinein einen «Nichtangriffspakt» oder eine Absprache in der Halbzeit zu.
Algerien mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic könnte sich also 44 Jahre später sportlich an den Österreichern rächen. Die Fifa ihrerseits sieht sich mit einem Déjà-vu der ungeliebten Sorte konfrontiert. Nach dem Desaster 1982 reagierte der Weltverband nämlich und führte für die kommenden Weltmeisterschaften parallele Gruppenspiele zum Vorrundenabschluss ein, um derartige Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Das funktionierte, solange nur die ersten beiden Teams jeder Gruppe weiterkamen. Doch jetzt taucht dieses Problem wieder auf.