Vor der versammelten Weltpresse wollten Irans Kapitän Mehdi Taremi und Torschütze Mohammad Mohebi nicht so schnell wieder verschwinden. Minutenlang beantworteten die beiden Nationalspieler nach dem 2:2 gegen Neuseeland bei der WM Fragen, obwohl ein Fifa-Mitarbeiter schon früh ein Ende der Medienrunde verlangt hatte.
Ungleiche Voraussetzungen
Die beiden Profis waren zwar teils ausweichend, aber klar wurde auch: Es gab zwei Botschaften, die sie loswerden wollten.
- Support im Stadion: «Zunächst einmal möchte ich unsere Fans in Los Angeles erwähnen. Die Atmosphäre während des Spiels war unglaublich – über die gesamten 90 Minuten hinweg», sagte Stürmer Taremi nach dem unterhaltsamen Unentschieden. Denn trotz der heftigen Buh-Rufe und Pfiffe während der Nationalhymne des Iran: Nach Anpfiff waren die Unterstützer der Mannschaft laut und klar in der Mehrheit.
- Missliche WM-Umstände für Iran: «Wisst ihr, das ist alles ein Desaster für uns.» Was Taremi damit meinte, sind die schwierigen Rahmenbedingungen, unter denen das Team an dieser WM spielen muss. Noch am Spieltag musste die Mannschaft zurück nach Mexiko reisen, die Anreise am Vortag war erst kurzfristig möglich geworden – womöglich wegen des geplanten Abkommens zum Ende des Iran-Krieges, das Stunden zuvor publik wurde. «Ich denke, die Fifa muss uns mehr helfen», sagte Taremi und berichtete von einem Kabinenbesuch von Präsident Gianni Infantino. Der habe seine Hilfe versprochen.
Wie fremdgesteuert
Trainer Amir Ghalenoei berichtete von seinem Frust darüber, nicht wie erhofft am Tag nach dem Spiel eine Regenerationseinheit in Los Angeles abhalten zu können. «Sie haben gesagt, wir müssen sofort gehen», sagte er laut offizieller Übersetzung.
«Wir sind sehr verstört darüber. Wir wissen nicht, warum sie uns zurückschicken, ehrlich gesagt. Es wirkt komisch. Es wirkt, als machen andere die Pläne für uns», sagte der Trainer und meinte dann: «Wir sind das am meisten unterdrückte Team der Welt.»
Nebengeräusche «nur» vor und nach Spiel
Proteste der zahlreichen, in Kalifornien lebenden Exil-Iraner gegen das Regime in Teheran hatten die Partie bereits im Vorfeld begleitet. Im Stadion waren trotz Verbot viele historische «Schah-Flaggen» zu sehen, bei der iranischen Hymne ertönten deutlich vernehmbare Pfiffe. Ansonsten stand aber tatsächlich der Fussball im Vordergrund – bis die Spieler und Trainer Ghalenoei ihrem Ärger nach dem Punktgewinn Luft machten. «Es ist eine schlimme Situation. Wir sind einfach müde», sagte Taremi.
Dabei ist in Gruppe G nach dem ersten Spieltag alles offen: Alle vier Teams haben einen Punkt auf dem Konto. Die weiteren Gegner des Iran sind Belgien (in Los Angeles) und Ägypten (Seattle). Taremi hofft, dass sich die Situation für die kommenden Spiele verbessert, denn: «Wir sind hier, um Fussball zu spielen.»