Das Ziel war klar: Als erstes Team seit 1962 wollte Argentinien es schaffen, den Weltmeister-Titel zu verteidigen. Obwohl die «Albiceleste» vor Turnierbeginn nicht zu den meistgenannten Favoriten gezählt hatte, stand sie plötzlich im Final. Getragen von der Erkenntnis: Wer auf einen herausragenden Lionel Messi, eine unfassbare Mentalität und eine Menge Erfahrung zählen kann, darf nie abgeschrieben werden. Das zeigte das Turnier in Nordamerika eindrücklich.
Doch was wiederum das Endspiel bewies: Argentiniens Stärke wurde zur Schwäche. Spanien, das bereits im Halbfinal Frankreichs Paradesturm um Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé entwaffnet hatte, nahm Messi komplett aus dem Verkehr. Und legte damit die Offensive der Südamerikaner auf ganzer Linie lahm.
Es war ein unrühmliches Ende eines bis dahin grossartigen Turniers Messis. Das unterstreichen die Zahlen:
- Das Team von Lionel Scaloni erzielte insgesamt 19 Tore. Messi markierte 8 selbst und bereitete weitere 4 vor – bei knapp zwei Dritteln der Treffer seines Teams hatte er also seine Füsse im Spiel. Es sind Zahlen, die zeigen, was auf dem Platz in fast jedem Spiel augenscheinlich war. Messi war der Dreh- und Angelpunkt im argentinischen Offensivspiel. Kaum ein Angriff lief nicht über den «Zauberfloh».
Zittern gegen die Schweiz
Vor Spanien hatte es einzig die Schweiz geschafft, den Faktor Messi fast gänzlich zu eliminieren. Das 1:0 bereitete er zwar per Eckball vor. Abgesehen von Standardsituationen war der 39-Jährige aber weitgehend unauffällig. Dass Julian Alvarez in der Verlängerung einen Sonntagsschuss auspackte und die Partie damit entschied, ist hinlänglich bekannt. Wer weiss, wohin die Reise der Nati sonst noch geführt hätte.
Doch zurück zu Messi: Auf dem achtfachen Weltfussballer lastete natürlich auch Druck. Dieser war aber nicht vergleichbar mit der Erwartungshaltung in Katar vor vier Jahren. Das grosse Ziel, Weltmeister zu werden, hatte Messi schon erreicht. In Nordamerika konnte der 39-Jährige mit dem goldenen Badge auf der Brust befreiter aufspielen.
Ein Team geschlossen hinter Messi
Dass Messi im Angriff seine genialen Qualitäten ausspielen konnte, verdankte er aber auch seinen Mitspielern, die unermüdlich für ihren Anführer rannten. Kein argentinischer Feldspieler spulte pro Spiel weniger Kilometer ab als Messi. Fast die Hälfte seiner Distanz legte der 39-Jährige im Spaziergang zurück.
In der Defensive trat Messi kaum je in Aktion. Das störte den Rest der Equipe aber keineswegs. Wie könnte es auch, wenn er vorne Skorerpunkt um Skorerpunkt lieferte.
Beeindruckende Comeback-Fähigkeiten
Allgemein bestach die argentinische Mannschaft durch ihren Zusammenhalt. Das Team, dessen Kern im Vergleich zur WM 2022 fast unverändert blieb, liess sich auch von Rückständen oder mittelmässigen Leistungen nicht aus der Ruhe bringen. Messi und Co. hatten stets ein grosses Vertrauen in die Fähigkeit, ein Spiel zu jedem Zeitpunkt noch gewinnen zu können.
So passiert etwa im Achtelfinal gegen Ägypten, als Argentinien bis zur 79. Minute mit 0:2 in Rückstand lag und die Partie noch in der regulären Spielzeit drehte. Oder im Halbfinal gegen England, als die «Albiceleste» nach einem lange mauen Auftritt erneut in der Schlussphase noch die Wende herbeiführte.
Die finale Krönung bleibt aus
Doch das kitschige Happy End blieb dann doch aus. Im Final unweit von New York war Argentinien Widersacher Spanien klar unterlegen. Gegen ballsichere Spanier kämpften Scalonis Schützlinge einmal mehr aufopfernd. Doch fussballerisch war der Auftritt eher ein Offenbarungseid.
So stemmte am Ende Messi die Trophäe kein zweites Mal in die Höhe. Seinem Ansehen als Grösster aller Zeiten dürfte dies nichts anhaben.