Bisher stand Gregor Kobel an der WM noch kaum im Fokus. Der Schweizer Goalie erhielt nur wenige Gelegenheiten, sein Können unter Beweis zu stellen. Das änderte sich auch im Achtelfinal gegen Kolumbien zunächst nicht. Erst im Penaltyschiessen wurde er neben Ruben Vargas, der als letzter Schweizer Schütze traf, zum gefeierten Mann.
«Weil Kobel einen Penalty von Cucho Hernandez überragend pariert und Davinson Sanchez den Ball an die Latte hämmert, fällt der Fehlschuss von Verteidiger Manuel Akanji nicht ins Gewicht und die Schweiz ist eine Runde weiter – historisch! Erstmals seit 1954 gehört die Schweiz zu den acht besten Teams einer WM», frohlockt der Blick.
Penalty-Trauma überwunden
Der von Trainer Murat Yakin bereits im Vorfeld angestrebte Eintrag in den Geschichtsbüchern ist im kollektiven medialen Freudentaumel – natürlich – omnipräsent. Das Erreichen des ersten WM-Viertelfinals in der Neuzeit wird ebenso herausgestrichen wie die Tatsache, dass die Nati im Penaltyschiessen für einmal das bessere Ende für sich behielt.
«Es gibt Erinnerungen, die haben sich wie Traumata ins kollektive Gedächtnis eingebrannt: Die Niederlage gegen die Ukraine 2006, als alle Schweizer Penaltyschützen scheiterten. Der EM-Viertelfinal gegen England von 2024», denkt die NZZ an die unrühmliche jüngere Vergangenheit zurück.
Und watson.ch rechnet vor, wie die Bilanz in engen K.o.-Spielen vor der Partie in Vancouver war: «In diesem Jahrtausend gewann die Nati nur eines von sieben Spielen, das nach 90 Minuten noch nicht entschieden war.»
Kein Manzambi, kein Risiko
Trotz des positiven Ausgangs aus Schweizer Sicht geht in den ersten Reaktionen nicht vergessen, dass der letzte WM-Achtelfinal wohl der qualitativ schlechteste war.
Eine Schweizer Niederlage hätte fraglos Personaldiskussionen ausgelöst
«Es war offensichtlich, dass beide Teams den offensiven X-Faktor suchten, auf den einen Moment der Unachtsamkeit in der gegnerischen Defensive hofften», heisst es bei watson.ch. Die fehlende Risikobereitschaft im Schweizer Team verknüpft der Tages-Anzeiger mit einem Namen: «Der Gedanke kommt unweigerlich: Johan Manzambi würde diesem Spiel guttun. Aber der sitzt traurig auf der Bank.»
Kritischer Blick auf Yakins Wechsel
Die Absenz des verletzten Schweizer Senkrechtstarters «schwächte die Schweizer spürbar», stellt auch die NZZ fest. Und bemängelt die Art und Weise, wie Yakin den Ausfall zu kompensieren versuchte. Dass Cedric Itten vor Zeki Amdouni eingewechselt wurde und Noah Okafor nicht zum Einsatz kam, kann das Blatt nur beschränkt nachvollziehen.
«Eine Schweizer Niederlage hätte fraglos Personaldiskussionen ausgelöst. Aber wer gewinnt, hat immer recht, also hat Yakin alles richtig gemacht; sein Vabanquespiel ist aufgegangen, Itten verwandelte seinen Penalty. Und wen interessiert schon die Stilnote, wenn man im WM-Viertelfinal steht?»
Ist nun Argentinien fällig?
watson.ch wagt in einem Kommentar unter dem Titel «Diese Schweizer Nati darf noch viel grösser träumen» einen Ausblick auf den Kracher gegen Argentinien in der Nacht auf Sonntag. «Dieser wankende Fussballriese ist reif, um vom Turnierbaum gepflückt zu werden», so das zuversichtliche Fazit der Redaktion.