Die beeindruckenden Rechenkünste von Manuel Akanji sind allseits bekannt. Doch um die Ausgangslage für das Duell mit WM-Co-Gastgeber Kanada zu erklären, braucht es nicht das grosse Einmaleins. Gewinnt die Schweiz, überholt sie die «Ahornblätter» noch, sonst muss sie mit Rang 2 vorliebnehmen.
Nur ein Sieg ist gut genug
Für Murat Yakin eine gute Situation: «Als Coach ist es für mich angenehmer, wenn wir auf Sieg spielen müssen», findet der 51-Jährige. Doch dieselbe Meinung vertritt wenige Minuten vor ihm auch sein Antipode. Kanadas Trainer Jesse Marsch will ebenfalls nicht taktieren. «Wir müssen einfach so spielen wie immer. Wir gehen ins Spiel, um zu gewinnen – und dann je nach Resultat die Taktik anpassen.»
«Manage the game» nennt der US-Amerikaner das. Und auch Yakin erwartet nicht, dass Kanada anders als in den ersten beiden Partien auftreten wird: «Sie werden uns mit ihrer Spielweise sicher nicht überraschen.»
Bei Kanada geht es schnell nach vorne
Anders als noch gegen Katar und Bosnien-Herzegowina erwartet Yakins Team wohl kein tief stehender Defensivblock, den es zu knacken gilt. Kanada verfügt über eine eingespielte Truppe, die mit hoher Intensität anläuft, die gegnerischen Abwehrreihen früh presst und den Ball hoch gewinnen will. Und auch im eigenen Offensivspiel geht es über die schnellen Spieler rasant nach vorne. Diese Spielweise wird aber wohl auch den Schweizern mehr Räume bieten, als noch in den ersten beiden Partien.
Der Ausgang der Partie hat grosse Auswirkungen auf die kommenden Tage. Als Gruppensieger hätte man acht Tage Pause, sonst nur vier. Als Spieler habe er es eigentlich lieber, wenn es Schlag auf Schlag gehe, sagt Akanji, aber: «Ich bin noch nie auf den Platz gegangen und wollte nicht gewinnen.» Yakin will es nehmen, wie es kommt, denn «Fussball ist kein Wunschkonzert».
Die Basketballer geben Tipps
Inspiration holten sich in den letzten Tagen übrigens beide Teams aus dem Basketball. Während Yanic Niederhäuser die Schweizer im Training besuchte, schickte NBA-Ikone Steve Nash den Kanadiern eine Videobotschaft in die Kabine. Darin erklärte er dem Marsch-Team ganz im Sinn des Coaches, die richtige Balance zwischen Disziplin in der Abwehr und Freiheit in der Offensive sei der Schlüssel.
Unsicherheiten gibt es auf beiden Seiten noch, was die Aufstellung betrifft. Kein Coach wollte sich in die Karten blicken lassen. Ob Johan Manzambi nach seinem Doppelpack von Beginn an spielt, bleibt deshalb ebenso offen, wie ein Einsatz des angeschlagenen Kanada-Stars Alphonso Davies. Klar ist nur: Der BC Place wird am Mittwoch in Rot-Weiss gekleidet sein – und die überwiegende Mehrheit wird auf einen Sieg Kanadas hoffen. Yakin blickt voraus: «Je leiser es wird, desto besser für uns.»