Im Nachgang der Partie gegen Australien hatten Aussagen von Granit Xhaka für Aufregung gesorgt. Der Captain hatte die Leistung angeprangert und gemahnt, so drohe schon nach 3 Spielen die Heimreise von der Fussball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Während Xhakas Ausbruch auch von kanadischen Journalisten in San Diego aufgenommen wurde, war dies im Lager der Nati kein grosses Thema.
Michel Aebischer, am Montag Gast an der täglichen Medienrunde, wiegelt ab: «Wir haben seine Aussagen alle gehört. Ich fand es gut, was er gesagt hat. Er ist der Captain und er hatte recht. Er will, dass wir alle während 90 Minuten bei 100 Prozent sind. Wir wollen den nächsten Schritt zum Top-Team machen. Dafür sind wir hier, dafür müssen wir weiter Fortschritte machen.»
Auch die mässige Leistung gegen Australien bereitet dem Freiburger keine Sorgen. «Wir sind eine Turniermannschaft, wenn es zählt, sind wir ready. Das haben wir schon an früheren Turnieren und in der Quali gezeigt», erklärt er. Und auch harsche Aussagen des Captains würden das Team nicht aus der Ruhe bringen, «da braucht es schon mehr».
Keiner für Seite 1
Sowieso ist Aebischer keiner für die grossen Schlagzeilen, keiner «für die Frontpage der Zeitung», wie er es selbst nennt. «Von mir aus kann das aber sehr gerne so bleiben.» Der 29-Jährige wirkt sehr reflektiert, auch seine Karriereplanung scheint durchdacht. Über YB wechselte er im Winter 2022 zu Bologna in die Serie A. Als er im letzten Sommer Signale erhielt, nicht mehr gefragt zu sein, liess er sich nach Pisa ausleihen.
Zwar stieg er mit dem Team aus der Toskana unlängst aus der höchsten Liga ab. Persönlich sei der Schritt indes gut gewesen, erzählt er. «Ich habe damit alles richtig gemacht. Ich wusste, dass es nicht einfach werden würde, mir waren eine wichtige Rolle und Spielminuten aber mehr wert. Persönlich habe ich einen Schritt nach vorne gemacht.»
Druck? Kein Problem!
Dies ist auch Nati-Coach Murat Yakin nicht verborgen geblieben. Wie schon an der EURO 2024, als Aebischer als Überraschungsmann in fünf Partien nur zwei Spielminuten verpasste, scheint er pünktlich zum Grossanlass bereit zu sein. In den letzten Tests durfte er jeweils von Anfang an beginnen. «Es scheint so, dass ich ein Turnierspieler bin», sagt er dazu lächelnd. «Ich konnte schon immer gut mit Druck umgehen, mir macht das nichts aus.»
So dürfte der Freiburger in den kommenden Wochen auch um seine Zukunft spielen. «Ich versuche an der WM nicht nur Werbung für die Schweiz, sondern auch für mich zu machen», formuliert es Aebischer selbst. Zwar zog Pisa die Kaufoption für ihn nach dem Abstieg, sein Ziel ist aber weiterhin ein Klub in den europäischen Top-5-Ligen. «Gerne in Deutschland oder Italien», eine Rückkehr in die Schweiz ist noch kein Thema. Mit einem Wechsel will sich Aebischer indes erst nach der WM befassen. Zuerst soll bewiesen werden, dass die Nati und Aebischer auf den Punkt bereit sein können.