Lange Zeit lief es den Schweizern gegen Bosnien-Herzegowina nicht so richtig. Hinten liess man zwar kaum etwas zu, doch nach vorne lief fast ebenso wenig. Dank einer überragenden Schlussphase – und einer roten Karte gegen den Gegner – sicherte sich die Nati am Ende in Inglewood doch noch die drei Punkte, die das Erreichen der K.o.-Phase an der WM 2026 schon fast sichern dürften.
Nach dem Spiel erklärte Murat Yakin, wie den Schweizern eine WM-Neuerung zum Vorteil gereicht hatte: Man nutzte das Cooling Break, die Trinkpause, die in der Hälfte jeder Halbzeit eingelegt wird, um in der Schlussphase Entscheidendes zu verändern. «Ich hätte schon früher wechseln können. Aber wir haben mit den Auswechslungen extra bis dahin gewartet, damit Bosnien nicht mehr darauf reagieren konnte», sagte der weiterhin leicht erkältete 51-Jährige.
Die Tore eingewechselt
Man habe mit Matchwinner Johan Manzambi und Ruben Vargas zwei schnelle Spieler gebracht, um den müde gelaufenen Gegner zusätzlich in die Bredouille zu bringen. Yakins Plan ging auf, Manzambi erzielte zwei der vier Treffer, Vargas war an allen vier Toren direkt oder indirekt beteiligt.
«Wir hatten vor der WM keine Erfahrung mit den Cooling Breaks. Jetzt müssen wir lernen, wie wir die Pause zu unserem Vorteil nutzen können», führte Yakin aus. Dies gelinge nicht immer: So habe Bosnien-Herzegowina in der 1. Halbzeit in der Abwehr von einer 4er- auf eine 5er-Kette gewechselt und so die Schweizer Offensivbemühungen stoppen können. Und auch im Spiel gegen Katar hatte die Trinkpause den Spielfluss der Schweizer eher gestoppt.
Ein neues taktisches Mittel
Die Cooling Breaks – die der Fifa durch zusätzliche Werbefenster auch viel Geld in die Taschen spülen – könnten im weiteren Verlauf der WM also noch zum entscheidenden Detail werden. Schliesslich bietet sich in den beiden zusätzlichen Spielpausen die Möglichkeit, direkt auf die Akteure einzuwirken, Inputs zu geben und die Taktik anzupassen.
Arbeit habe während der jeweils 3-minütigen Unterbrechung nicht nur er, sagte Yakin, «auch meine Analysten sind dann gefragt, sie zeigen den Spielern Aktionen auf dem Tablet. Und schliesslich bin ich auch froh, dass ich so aufnahmefähige Spieler habe.»
Das 4:1 gegen Bosnien-Herzegowina war deshalb am Ende natürlich nicht nur Yakins Erfolg, sondern ein Resultat des Teamworks. Und doch hatte der Basler, der in der Vergangenheit mit taktischen Massnahmen schon oft Erfolg gehabt hatte, gehörigen Anteil daran, den Gegner auf dem falschen Fuss erwischt zu haben.