Hinter den Kulissen des WM-Mitfavoriten Portugal brodelt es nach dem enttäuschenden 1:1 zum Auftakt gegen die DR Kongo gewaltig – mit Superstar Ronaldo im Zentrum der Debatte. Ist der fünffache Weltfussballer noch gut genug oder doch eher hinderlich für die Titelmission?
Im Auftaktspiel zeigte Ronaldo eine für seine Verhältnisse unterirdische Leistung: Nur 3 Abschlüsse hatte er zu verzeichnen, wovon keiner den Weg aufs Tor fand. Mit 25 Ballkontakten hatte er 12 weniger als sein eigener Torhüter. Am Dienstag wird von ihm gegen Usbekistan eine Reaktion gefordert.
«Cristiano Ronaldo wirkt wie ein trauriger Schatten des grossartigen Fussballers, der er einst war», schrieb The Athletic. Oder: «Alles hat ein Ende. Man muss es nur akzeptieren», hiess es bei calciomercato.com in Italien. Auch die Stimmen prominenter TV-Experten sprechen eine klare Sprache. Thierry Henry warf ihm blanken Egoismus vor, Kevin-Prince Boateng meinte im australischen Fernsehen, dass Portugal ohne ihn «eine bessere Mannschaft» sei.
Dass sich alles bei den Portugiesen nur um einen Spieler dreht, ist nicht neu. Dass die Sonderrolle des Superstars infrage gestellt wird, ebenfalls nicht. Bei der WM 2022 in Katar setzte der damalige Trainer Fernando Santos seinen Rekordspieler sogar auf die Bank. Neu sind allerdings die Absetzbewegungen, die bei Teilen des Nationalteams zu erkennen sind. Als der Abwehrspieler Ruben Dias zur massiven Kritik an seinem Captain befragt wurde, spielte er die als medialen «Lärm» herunter. Aber er verteidigte Ronaldo nicht. «Cristiano kann mit diesem Druck umgehen», sagte er nur. Mehr nicht.
Keine Sonderstellung mehr im Team?
Francisco Conceicao lobte Ronaldos Ehrgeiz und Eifer zwar als Vorbild für das gesamte Team. Aber eine Sonderstellung? «Ich spiele den Ball zu demjenigen, der am besten steht. Er ist hier, um zu helfen – genau wie jeder andere Spieler auch», so Conceicao.
Wir sitzen alle im selben Boot. Gemeinsam sind wir stark.
Und der Superstar selbst? Hat sich nach Spiel 1 in Houston bislang nur via Social Media geäussert. «Fokussiert auf die Mission», schrieb er zuletzt am Sonntag. In sämtlichen Presserunden bemühen sich stattdessen seine Teamkollegen, eine Einheit zu beschwören. «Wenn ihr mit uns rudern wollt, dann rudern wir. Das Boot wird nicht kentern», antwortete Aussenverteidiger Diogo Dalot auf die starke Kritik, die seit Samstag auf die Mannschaft und insbesondere Ronaldo von aussen einprasselt: «Wir sitzen alle im selben Boot. Gemeinsam sind wir stark.»