Mikel Merino ist als Fussballspieler nur schwer greifbar. Er ist alles ein bisschen und nichts ganz. Der 30-Jährige kann Verteidigung, er kann aber auch Mittelfeld und Sturm. Es erscheint bizarr, dass genau dies Merinos «Problem» ist.
Zwar besitzt der Baske zweifelsohne die Klasse, zum Stammpersonal zu gehören. Aber seine Versatilität macht Merino zum perfekten Joker, sowohl bei seinem Klub Arsenal als auch im spanischen Nationalteam.
Grosses Vertrauen vom Trainer
Diskutiert man über die Spanier, so findet der Name Merino nicht annähernd so frequent Erwähnung wie jener von Lamine Yamal, Rodri oder Pedri. Dabei trug ebendieser Merino unter Trainer Luis de la Fuente durchaus einen wichtigen Teil zum Wiederaufstieg Spaniens zu den Top-Nationen bei.
Etwa in der bisher letzten Austragung der Nations League, in welcher er seine Farben mit Treffern im Viertel- sowie Halbfinal bis ins Endspiel lotste. Oder in der darauffolgenden WM-Qualifikation, in der Merino in sechs Partien ebenso viele Tore markierte, unter anderem auch einen Hattrick in der Türkei.
Ein Mann für die wichtigen Tore
Seine zwei bisher wichtigsten Treffer für Spanien erzielte der Mann aus Pamplona aber an den grossen Endrunden. Das Muster war dabei vergleichbar. In beiden Fällen war die Spannung maximal, der Grat zwischen Weiterkommen und Ausscheiden sehr schmal. Dann avancierte Merino in Stuttgart und Dallas zum Erlöser einer ganzen Nation:
- EM 2024: Im Viertelfinal gegen Gastgeber Deutschland deutet alles auf ein Penaltyschiessen hin. Doch in der 119. Minute verwertet der eingewechselte Merino eine Flanke von Dani Olmo mit einem perfekt ausgeführten Kopfball zum entscheidenden 2:1.
- WM 2026: Spanien und Portugal neutralisieren sich im Achtelfinal über weite Strecken, Torchancen sind Mangelware. Alle Zeichen stehen auf Verlängerung, doch in der 91. Minute initiiert und vollendet Joker Merino eine schnell vorgetragene Kombination zum 1:0-Siegtor.
Überall auf dem Feld einsetzbar
In der Heimat gilt Merino längst als Talisman der «Selección». Immer wenn es kompliziert wird, der Stammelf die Inspiration fehlt und/oder die Kraft ausgeht, hat Spanien mit Merino ein Ass im Ärmel. Ob als Sturmspitze, falsche Neun, Achter, Sechser oder gar Innenverteidiger – der Arsenal-Söldner ist fast überall einsetzbar.
Auch im WM-Viertelfinal gegen Belgien wird er mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht von Beginn an auflaufen. Sollte die Partie in der Schlussphase aber auf Messers Schneide sein, könnte wieder die Stunde des Mikel Merino schlagen. Überraschen würde es dann wohl kaum jemanden mehr.