- Deutschland scheidet an der WM sensationell schon im Sechzehntelfinal aus.
- Das Team von Julian Nagelsmann verliert in Boston gegen Paraguay mit 4:3 im Penaltyschiessen. Nach 120 Minuten stand es 1:1.
- Die Deutschen warten seit dem Titel vor 12 Jahren damit weiter auf einen Sieg in einem WM-K.o.-Spiel.
Es war ein vogelwildes Penaltyschiessen, das sich Deutschland und Paraguay in Boston lieferten. Nachdem Kai Havertz und Nick Woltemade an Orlando Gill gescheitert waren, hatte der Underdog zwei Matchbälle. Doch weder Arnaldo Sanabria noch Fabian Balbuena konnten dem Druck standhalten. Der eine schoss am Tor vorbei, der andere fand in Manuel Neuer seinen Meister.
Und so hatten die Deutschen plötzlich die Chance, erstmals vorzulegen. Doch Jonathan Tah schoss weit über das Tor. Ein drittes Mal liess sich Paraguay nicht bitten. Jose Canale traf wuchtig zum entscheidenden 4:3 und machte die Sensation damit perfekt. Deutschland muss nach einem wenig überzeugenden Auftritt die Heimreise antreten.
Schiedsrichter annulliert Führungstor
Tah, der am Ende zur Unglücksfigur avancierte, wäre in der 105. Minute beinahe der Siegtorschütze gewesen. Nach einem Eckball traf der Verteidiger per Kopf zum 2:1. Nach VAR-Intervention nahm Schiedsrichter Jalal Jayed den Treffer jedoch zurück. Waldemar Anton soll Goalie Gill gefoult haben – ein zumindest diskutabler Entscheid.
Auch wenn der Sieg Deutschlands angesichts der Spielanteile verdient gewesen wäre, fehlte der Nagelsmann-Elf über weite Strecken die Durchschlagskraft. Die Deutschen kamen praktisch nur durch Hereingaben und Eckbälle zu Torchancen – insgesamt schlugen sie 56 Flanken und verzeichneten 16 Eckbälle.
Deutschland kalt geduscht
Von Beginn an hatte sich Deutschland mit der tief stehenden Verteidigung Paraguays schwergetan. Trotz 79 Prozent Ballbesitz brachte man im ersten Durchgang aber keine gefährliche Chance, ja keinen einzigen Torschuss zustande. Nach 45 Minuten hatte Deutschland nur 0,14 erwartete Tore (xG) verzeichnet – noch weniger als Paraguay (0,21), das sich aus dem Spiel heraus genau eine Gelegenheit erarbeitete.
Diese nutzte es in der 42. Minute aber zum 1:0. Matias Galarza hatte auf der rechten Seite viel Platz und flankte punktgenau in den Strafraum, wo der sträflich allein gelassene Julio Enciso einnickte. Es war das erste WM-Tor Paraguays in einem K.o.-Spiel und eines, das die Südamerikaner noch mehr zum Verteidigen anspornte.
Den Deutschen mangelte es auch nach dem Seitenwechsel an Kreativität. Zumeist versuchten sie, die Stürmer Deniz Undav und Kai Havertz mit Flanken in Szene zu setzen. Besonders Undav, der hatte beginnen dürfen, hatte einen glücklosen Auftritt.
Havertz gleicht aus
Havertz trat ebenfalls nur selten in Aktion. In der 54. Minute war er nach einer Hereingabe von Florian Wirtz aber zur Stelle und erzielte den Ausgleich. Kurz darauf hatte Leon Goretzka eine Chance zum Führungstor. Der berühmte Ketchup-Effekt trat aber nicht ein.
Deutschland schlug in der regulären Spielzeit weiterhin Flanke um Flanke, ohne den gewünschten Ertrag zu erzielen. So pfiff Schiedsrichter Jalal Jayed nach 96 Minuten zur Verlängerung. Dort traf Tah zum vermeintlichen Sieg – am Ende war er allerdings die tragische Figur.
So geht es weiter
Im Achtelfinal trifft Paraguay auf Schweden oder Frankreich. Das Spiel im wird am kommenden Samstag, 4. Juli, um 23 Uhr Schweizer Zeit in Philadelphia ausgetragen.