Die Stimmen, die behaupten, dass Portugal in der Gegenwart so gut aufgestellt ist wie nie zuvor, sind zahlreich. Den Lusitanern wird an der WM der ganz grosse Wurf zugetraut. Für Cristiano Ronaldo und Co. startet der lange Weg in Richtung WM-Titel-Premiere am Mittwochabend in Houston gegen die Demokratische Republik Kongo.
Das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko ist für Portugal mit grossen Emotionen verbunden. Es ist die erste grosse Endrunde ohne Diogo Jota. Die Erinnerung an ihren tödlich verunglückten Mitspieler begleitet die portugiesischen WM-Fahrer bei jedem Schritt. Auf dem Trainingsplatz. Im Teamhotel in Florida. Und auch beim ersten Spiel gegen die Kongolesen.
Jotas Traum ist jetzt Portugals Traum
Während der WM trägt jeder Spieler Portugals ein Armband, auf dem die Namen aller Akteure und jener von Jota zu lesen sind. Am 3. Juli, am Tag des möglichen ersten K.o.-Spiels der Portugiesen, jährt sich der Unfalltod ihres Stürmers zum ersten Mal. Jota war erst 28 Jahre alt, als er vor einem Jahr zusammen mit seinem jüngeren Bruder bei einem Autounfall ums Leben kam.
«Diogo ist unser Licht», sagte Nationaltrainer Roberto Martinez gegenüber The Athletic. «Er wollte die WM gewinnen. Und das ist nun gewissermassen zu einer Verpflichtung und zu einem Vorbild für uns geworden. Denn Diogo war das pure Beispiel dafür, an alles zu glauben, was möglich sein könnte. Wir müssen uns bis zum Schluss von ihm inspirieren lassen. Er gehört zu uns.»
Neves trägt neu die 21
Ruben Neves stand Jota besonders nah. Beim Nationalteam teilten sie sich jeweils das Zimmer. Im Bus sassen sie nebeneinander. 2017 wechselten die beiden sogar zusammen nach England zu Wolverhampton. Bei der Beerdigung war es Neves, der Jotas Sarg trug.
Im Gedenken an seinen verstorbenen besten Freund übernahm der Mittelfeldspieler die Rückennummer 21 von Jota. «Wir sprechen oft über ihn und sind uns sicher: Diogo wird uns in entscheidenden Momenten eine zusätzliche Kraft geben», sagte Neves.
Emotionaler Balanceakt
Der Tod von Jota hat in der Fussball-Welt für grosse Bestürzung gesorgt. Die Anteilnahme war riesig, besonders beim portugiesischen Nationalteam und dem FC Liverpool, wo Jota bis zum Unfall unter Vertrag stand.
Dass die Erinnerung an Jota nicht nur Kraft spenden, sondern auch eine Belastung sein kann, zeigt das Beispiel Liverpool. Hinter den «Reds» liegt eine für ihre Verhältnisse sehr schwache Saison. Trainer Arne Slot musste daraufhin gehen und erinnerte in seinem Abschiedsbrief an die Fans gleich zu Beginn an die Tragödie, die einen ganzen Klub lähmte.
Nun stellt sich die Frage, wie Portugal an der WM mit diesen Emotionen umgehen wird. Vielleicht liefert schon das Startspiel gegen die Demokratische Republik Kongo eine erste Antwort.