Endstation Viertelfinal: Die Schweizer Nati hat sich mit einer 1:3-Niederlage nach Verlängerung gegen Titelverteidiger Argentinien von der bislang grössten Weltmeisterschaft verabschiedet. Die Schweizer konnten den Rasen im Kansas-City-Stadion aber erhobenen Hauptes verlassen. Sie kämpften ab der 72. Minute und dem Platzverweis gegen Breel Embolo in Unterzahl tapfer. Viele rechneten schon mit einem erneuten Elfmeterdrama. Erst in der 2. Hälfte der Verlängerung, in der 112. Minute, gelang den Argentiniern die Entscheidung.
Entsprechend resümierte Gregor Kobel: «Es fühlt sich unfair an, es nicht ins Penaltyschiessen geschafft zu haben.» Der Nati-Goalie sei aber sehr stolz auf die Mannschaft, besonders auf die Art und Weise, wie das Team auf dem Platz agierte. «Wir kämpften bis am Schluss, warfen alles rein. Wir zeigten viel Herz.»
Yakin hadert mit «unbegreiflichem Entscheid»
Eine Aktion gab nach dem Spiel besonders zu reden: die gelb-rote Karte gegen Embolo. Der Stürmer war in der 72. Minute nach Videobeweis wegen einer Schwalbe vom Platz geflogen. Ein sichtbar enervierter Murat Yakin sprach von einem «unbegreiflichen Entscheid»: «Ich weiss nicht, woher diese Regel kommt. Wir wurden bestraft für einen Fehler, der nicht zu akzeptieren ist. Aber wir können es nun auch nicht mehr ändern.» Hier gilt es allerdings hinzuzufügen, dass der Entscheid von Schiedsrichter Joao Pinheiro regeltechnisch korrekt gewesen ist.
Dennoch fand der Nati-Trainer auch noch positive Worte, wenn es um die Leistung seiner Spieler ging: «Wir waren viel besser als der Gegner. Ich bin unglaublich stolz auf das ganze Team und auf das, was wir geleistet haben gegen den Weltmeister. Wir haben mit einem Mann weniger gekämpft. Wir waren voller Energie und Spielfreude. Es hatte am Ende nicht sein sollen.»
«Noch nie eine so einseitig geleitete Partie erlebt»
Eine vergleichbare Perspektive nahm Abwehrchef Manuel Akanji ein, der sich ebenfalls «unglaublich stolz» zeigte. «Wir haben gegen den amtierenden Weltmeister gespielt und dieser hatte keine Chance. Ich kann mich an keine Torchance aus dem Spiel heraus erinnern. Wir sind drangeblieben, kämpften uns zurück ins Spiel.»
Zur Leistung von Pinheiro hatte Akanji eine glasklare Meinung. Er sei zwar normalerweise nicht einer, der den Unparteiischen kritisiert, aber: «Es ist schwierig, wenn man noch den Schiedsrichter gegen sich hat. Jede Kleinigkeit wurde gegen uns gepfiffen. Ich habe noch nie so eine einseitig geleitete Partie erlebt.»
Auch bei Captain Granit Xhaka mischte sich in die Enttäuschung eine Portion Wut. «Wir waren so nahe dran, Argentinien zu packen. Der Entscheid hat das ganze Spiel gekippt.» Dies, obwohl man auch bei 10 gegen 11 eine gute Figur gemacht habe. Bis Julian Alvarez der Nati mit seinem Treffer in der 112. Minute definitiv das Genick brach. «Ein Traumtor», urteilte Xhaka. «Und extrem schwierig zu verteidigen.»