Chefaufseher Scala tritt aus Protest zurück

Domenico Scala ist nicht länger Leiter der Audit- und Compliance-Kommission der Fifa.

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SRF-Redaktor und Fifa-Kenner Jean François Tanda zur Fifa

2:05 min, vom 14.5.2016

Fifa-Chefaufseher Domenico Scala hat nach einem umstrittenen Entscheid des Weltverbandes beim Kongress in Mexiko-City seinen Rücktritt erklärt. Der Schweizer reagierte damit auf den Beschluss, dass das Fifa-Council für ein Jahr ermächtigt wurde, Mitglieder der eigenen Kontrollinstanzen zu benennen oder zu entlassen.

«  Ich bin konsterniert. »

Domenico Scala

«Ich bin konsterniert», liess Scala verlauten. «Diese Entscheidung untergräbt die zentrale Säule der Good Governance in der Fifa und zerstört einen substanziellen Erfolg der Reformen.» Die Gremien würden damit faktisch ihrer Unabhängigkeit beraubt, begründete Scala den Rücktritt in seiner Erklärung.

Fifa verliert «Architekt»

Scala wurde als Architekt der Reformagenda angesehen, mit welcher die Fifa auf die vielen Skandale reagieren wollte. Im Kampf um die Reputation gilt der Rücktritt Scalas als Schlappe für Fifa-Präsident Gianni Infantino. Scala hatte an der Reformbereitschaft des Weltverbandes gezweifelt: «Ob die verabschiedeten Reformpunkte nun tatsächlich mit Fleisch und Blut gefüllt werden, bleibt derzeit offen», so der Baselbieter.

«  Wir müssen flexibel reagieren können. »

Gianni Infantino

Der Weltverband akzeptierte den Rücktritt Scalas, wies seine Vorwürfe aber zurück. «Die Fifa bedauert, dass Herr Scala den Zweck der vom Fifa-Kongress getroffenen Entscheidungen falsch interpretiert hat», hiess es in einer Pressemitteilung. Die Entscheidung, das Council zu ermächtigen, Mitglieder für die Kontrollinstanzen zu ernennen oder abzuberufen, sei erfolgt, damit die Gremien «ihren Teil zum laufenden Reformprozess» erfüllen können.

Infantino hatte den Beschluss vor dem Rücktritt Scalas verteidigt: «Wir müssen in der Lage sein, flexibel zu reagieren. Man muss die handelnden Personen, die eine neue Fifa formen, an ihrer Arbeit messen. Warten wir ab, schauen wir, und dann kann man ein Urteil fällen», sagte der Walliser.

Sendebezug: Radio SRF 1, Abendbulletin, 13.05.2016, 22:10 Uhr.