Drmic: «Jetzt geht es um mich»

Im Interview mit SRF erklärt Gladbach-Stürmer Josip Drmic, wie er seine schwere Verletzung überwunden hat und was er alles unternimmt, damit es 2017 wieder aufwärts geht.

Josip Drmic schaut nach vorne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Schlechte hinter sich lassen Josip Drmic schaut nach vorne. imago

Josip Drmic, wie oft haben Sie davon geträumt, beim Rückrundenauftakt gegen Darmstadt das entscheidende Tor zu schiessen?

Drmic: In letzter Zeit sehr oft, weil das Spiel näher kommt. Ich hoffe, dass sich der Traum verwirklicht.

Wie nahe sind Sie aktuell denn an einem Startelf-Einsatz dran?

Das kann ich nicht genau beurteilen. Ich habe eine sehr gute Vorbereitung hinter mir, bei der ich alles mitmachen konnte. Nur gibt es eben auch immer wieder Rückschläge, in denen ich müde bin und das Knie pflegen muss.

«  Ein Knorpelschaden kann für einen Fussballer das Karriereende bedeuten. »

Sie durchliefen die längste Verletzungspause Ihrer Karriere. Wie haben Sie diese Phase bewältigt?

Ich bin immer positiv und geduldig geblieben, was sehr schwer war. Im Moment, in dem ich erfahren habe, dass ich einen Knorpelschaden erlitten habe, war es noch schwerer, stark zu bleiben. Ein Knorpelschaden kann für einen Fussballer das Karriereende bedeuten. Als die Ärzte mir sagten, dass ich Glück hatte und die Schuhe nicht an den Nagel hängen muss, dachte ich mir: «Jetzt erst recht!»

Was war während dieser Zeit der absolute Tiefpunkt?

Als ich meine Sachen in Hamburg packen musste und nach der Operation mit dieser Beugungsmaschine auf dem Sofa lag – daneben die Krücken, und ich konnte einfach nichts machen. Die Familie und das Umfeld waren traurig, parallel dazu lief Fussball am TV – das war das Schlimmste.

«  Äusserlich habe ich meine Freude nicht so gezeigt, aber innerlich war ich sehr stolz auf mich. »

Parallel dazu lief es auch Ihrem Team schlecht. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

In der Kabine sah man in den Gesichtern der Spieler die Enttäuschung darüber, dass es nicht lief. Für mich war es aber noch schlimmer, weil ich nicht helfen konnte. Ich war einfach machtlos.

Sie waren in dieser schlechten Zeit nicht dabei. Kommen Sie nun als Heilsbringer zurück?

Ich hoffe, dass es mit der Mannschaft aufwärts geht. Ob ich dann der Held bin, ist mir egal. Aber klar wäre es umso schöner, wenn ich etwas dazu beitragen könnte.

Im Testspiel gegen Zulte Waregem gelang Ihnen ein Tor. Was für Gefühle gingen Ihnen da durch den Kopf?

Für mich war es etwas Spezielles, auch wenn es ein Testspiel war. Ich kam von einer schweren Verletzung und spielte zum ersten Mal wieder von Anfang an und krönte das mit einem Tor. Äusserlich habe ich meine Freude nicht so gezeigt, aber innerlich war ich sehr stolz auf mich.

Gladbach zahlte vor 18 Monaten 10 Millionen Euro für Sie. Spüren Sie deshalb mehr Druck?

Überhaupt nicht. Es ist eine andere Welt, in der ich heute bin. Jetzt geht es um mich und meinen Körper, alles andere habe ich weggeschoben. Ich konzentriere mich nur auf mein Comeback und fahre das ganze Drumherum zurück – auch um Social Media habe ich mich deshalb zuletzt kaum mehr gekümmert.

Was ist mit Gladbach in der Rückrunde noch möglich?

Es gibt viel Luft nach oben, das sieht man auch in der Tabelle. Wir dürfen aber nicht vergessen, wo wir stehen und müssen eine Reaktion zeigen. Jetzt müssen wir unsere Qualitäten einsetzen, dann kann es auch schnell wieder nach oben gehen.

Holt sich Drmic einen Stammplatz bei Gladbach?

  • Ja.

    57%
  • Nein.

    42%
  • 1460 Stimmen wurden abgegeben

Sendebezug: Radio SRF 4 News, Morgenbulletin, 20.01.2017, 06:17 Uhr.