Neuer TV-Deal in England mit weitreichenden Folgen

Die Klubs der Premier League erhalten ab 2016 dank einem hochlukrativem Vertrag mit zwei britischen Fernsehstationen rund 7 Milliarden Euro in 3 Jahren. Die anderen europäischen Top-Ligen geraten dadurch noch mehr unter Druck; in Spanien wird mit einem Streik gedroht.

Ein Ball, eine TV-Kamera und das Logo der Barclays Premier League Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Premier League schwimmt im Geld In England rollt nebst dem Ball auch das Pfund. Keystone

Der neue Dreijahres-Vertrag in der Premier League hat in Fussball-Europa ein regelrechtes Erdbeben ausgelöst. Denn die höchste englische Spielklasse stösst in neue Dimensionen vor. Der schon jetzt beträchtliche finanzielle Vorsprung zu den anderen Ligen vergrössert sich noch.

Der Wettkampf zwischen den britischen TV-Giganten Sky und British Telecommunications hat dazu geführt, dass zwischen 2016 und 2019 rund 7 Milliarden Euro auf die Klubs der Premier League verteilt werden. Dank den Einnahmen aus den Auslandsrechten dürften diese sogar rund 9,5 Milliarden betragen.

Bundesliga kann nicht Schritt halten

Die Folgen dieser Entwicklung für den europäischen Fussball sind von grosser Tragweite. Denn selbst die florierende Bundesliga kann als zweitstärkste Kraft in Sachen TV-Geldern bei weitem nicht mit England mithalten. In Deutschland läuft der bestehende Vierjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von 2,51 Milliarden Euro per Ende der Saison 2016/17 aus. Der aktuelle Kontrakt beschert den 18 Klubs 628 Millionen Euro pro Spielzeit (hinzu kommen die Einnahmen aus der Auslandsvermarktung, die nächstes Jahr auf 100 Millionen ansteigen).

Auch wenn die Milliarden-Grenze pro Saison in der Bundesliga bald erreicht sein dürfte, wäre dies aber immer noch weniger als ein Drittel der in England fliessenden Gelder. Um neue Anstoss- und Sendezeiten wird die Bundesliga im Kampf um mehr Einnahmen deshalb nicht herumkommen. Auf der Insel, wo dies längst an der Tagesordnung ist, werden derweil Diskussionen über niedrigere Eintrittspreise geführt. Ein Luxusproblem.

Streik-Drohung in Spanien

In Spanien hat der Mega-Deal in der Premier League einen Aufschrei ausgelöst. Joan Collet, Präsident von Espanyol Barcelona, hat gar mit Streik gedroht. Wie viele andere kleinere Klubs stellt auch er die Vermarktung der Primera Division, welche die Giganten Real Madrid und Barcelona klar bevorzugt, an den Pranger. «Jeder Verein aus der Premier League kann unsere besten Spieler kaufen, indem er einfach das Gehalt verdoppelt», rechnet Collet vor. Der Exodus ist aber bereits im Gang: In den letzten Jahren verliessen zahlreiche Akteure Spanien in Richtung England.

Dass der Absteiger der Premier League in Zukunft mit 120 Millionen Euro fast gleich viel an TV-Geldern erhalten wird wie aktuell Real und Barcelona, zeigt aber, dass nicht nur die Kleinen Europas unter Beschuss kommen.

Sendebezug: Radio SRF 3, Nachmittagsbulletin, 11.02.15, 16:00 Uhr

TV-Einnahmen in den europäischen Top-Ligen

Liga
Vertragsdauer
Einnahmen
Premier League2012 - 2015 5 Milliarden

2016 - 20196,9 Milliarden (plus rund 2,6 Mia. Auslandvermarktung)
Serie A
2015 - 2018
945 Millionen Euro (plus Auslandvermarktung)
BundesligaSaison 2014/15690 Millionen Euro

Saison 2016/17835 Millionen Euro (inkl. Auslandvermarktung)
Primera Division
Klubs verhandeln eigenständig mit TV-Unternehmen

Ligue 1
2012 - 2016607 Millionen Euro

2016 - 2020748,5 Millionen Euro (plus 80 Millionen Euro Auslandvermarktung 2018 bis 2024)