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Knäbel zwischen Vorfreude und Ungewissheit
Aus Sport-Clip vom 14.05.2020.
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Vor Re-Start der Bundesliga Knäbel: «Wir haben alle grossen Respekt»

Peter Knäbel erlebt mit Schalke den Neustart der Bundesliga aus nächster Nähe mit. Wir haben mit ihm gesprochen.

Seit über 2 Jahren ist Peter Knäbel beim FC Schalke 04 Technischer Direktor Entwicklung. In diesen Tagen blickt der 53-Jährige gespannt voraus auf den Neustart der Bundesliga von diesem Wochenende. Im Interview spricht der SRF-Experte über Ungewissheit, die Fitness der Spieler, Torjubel und Geisterspiele.

SRF Sport: Peter Knäbel, wie erleben Sie die Stimmung in der Bundesliga und auf Schalke vor dem Neustart?

Peter Knäbel: Das Wort, das am besten passt, ist «speziell». Es ist überall spürbar, dass nichts so ist, wie es sonst ist. Trotzdem dürfen wir spielen.

Überwiegt bei Ihnen die Ungewissheit oder die Vorfreude?

Es hält sich die Waage. Man ist sich der riesigen Verantwortung bewusst. Man sieht die grosse Chance, aber man weiss auch, dass es fehleranfällig ist. Die Vorfreude, dass es losgeht, ist riesig. Aber die Sorge ist auch gross, dass es zu Störmanövern kommen könnte. Die Diskussion um die Abbruchszenarien hat ja auch gezeigt, dass man auch für diesen Fall vorbereitet sein muss.

Die Führungsaufgabe, die die Liga wahrgenommen hat, finde ich beispielhaft.

Wie stehen Sie der Wiederaufnahme gegenüber? Finden Sie es eine gute Idee?

Die Liga ist meiner Meinung nach von Anfang an einen sehr konsequenten und initiativen Kurs gefahren. Die Führungsaufgabe, die die Liga wahrgenommen hat, finde ich beispielhaft. Weil sie von Anfang an an ihren Zielen festgehalten hat und alles gemacht hat, um das durchführen zu können. Jetzt muss man beweisen, dass man dem Druck auch standhalten kann. Das ist eine riesige Aufgabe. Es ist auch klar, dass alle Augen auf die Bundesliga gerichtet sind. Ich hoffe, dass es gut gehen wird, aber wir haben alle grossen Respekt vor dieser Aufgabe.

Wie fit werden die Teams sein?

Nichts ersetzt das Spiel. Die Spielhärte ist nicht trainierbar. Alle emotionalen Einflüsse, die in einem Spiel auftreten können, wirken sich ja auch auf die Belastung aus, die ein Spieler hat. Insofern bin ich sicher, dass die Fitness in allen Werten, die erhoben werden können, da sein wird. Aber die Spielhärte im Wettbewerb, unter dem Druck der Tabelle, die holt man sich nur während der Saison. Ich erwarte deshalb am Wochenende eine Intensität wie zum Saisonbeginn.

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Knäbel: «Spielhärte kann man nicht trainieren»
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Dann ist die mentale Fitness die grössere Schwierigkeit als die physische?

Eindeutig. Das kann man nicht simulieren. Auch gerade wegen den Geisterspielen. Viele haben das schon erlebt, aber das sind ganz andere Geisterspiele. Wenn man rausschaut auf die Bank und die Masken vor den Gesichtern sieht. Oder wenn man einen Torjubel erlebt ohne Handshake. Das wirkt sich auf die mentale Verfassung der Spieler aus.

Ich kann mir vorstellen, dass die Spieler kreativ sind und ganz etwas Neues machen werden.

Der Torjubel wird komplett anders ausfallen als vor der Corona-Krise. Wie schwer wird den Spielern die Umstellung fallen, gerade in emotionalen Momenten?

Ich kann mir vorstellen, dass die Spieler kreativ sind und ganz etwas Neues machen werden. Der Fussballer ist ja lebensfreudig, wenn er spielen darf, und kreativ. Ich hoffe, dass es Spieler gibt, die unter Beachtung der Regeln gute Ideen haben werden. Aber natürlich fühlt sich das anders an. Ich bin gespannt, wie die Spieler die Emotionen, die bei einem Tor nun einfach mal da sind, ausleben werden.

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Knäbel: «Ich hoffe, die Spieler haben kreative Ideen»
Aus Sport-Clip vom 14.05.2020.
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Was bedeutet es für einen Bundesligisten, ein Geisterspiel durchzuführen?

Es ist natürlich ein riesiger Aufwand, ein Geisterspiel überhaupt auf die Beine zu stellen. Auf die Fans zu verzichten, ist zudem unfassbar hart. Das macht ja im Profi-Fussball die ganze Ambiance aus. Den Support nicht zu spüren, die Reaktionen der Menschen nicht zu sehen, das ist sehr hart.

Neu sind 5 Auswechslungen möglich. Wie bewerten Sie diese Änderung?

Es ist sehr interessant. Die Frage ist jetzt, was mit diesen Auswechslungen passiert. Haben wir jetzt mehr Wechsel in der 1. Halbzeit? Welche taktischen Umstellungen sehen wir jetzt mehr? Man kann sich da aber auch verdribbeln in der eigenen Variantenplanung. Deshalb bin ich sehr gespannt, wie die Trainer damit umgehen.

Wann würden Sie unter den aktuellen Bedingungen sagen, dass es ein gelungener Neustart war?

Ich kann das jetzt nicht nur auf den Start an diesem Wochenende beziehen. Wenn wir den Spieltag störungsfrei durchbringen können, dann fällt uns allen ein grosser Stein vom Herzen. Aber gelungen ist es für mich erst, wenn wir Ende Mai erreicht haben und bis dahin nichts passiert ist.

SRF zwei, sportpanorama, 10.05.20, 18:30 Uhr;

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