«Italien, trotzdem Danke!»

Am Tag nach dem dramatischen Viertelfinal-Out gegen Deutschland dominiert in den italienischen Gazzetten der Stolz über das Erreichte. Gleichzeitig rechnet Italien-Coach Antonio Conte mit den Medien ab.

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Italien verliert Elfmeter-Krimi

3:08 min, vom 3.7.2016

Wirklich viel hat man Italien vor der EURO nicht zugetraut. Die Mannschaft sei zu alt, zu langsam, lautete der Tenor in der Heimat. Nicht wenige prophezeiten in der Gruppe mit Belgien, Schweden und Irland gar das Out in der Vorrunde. Die Euphorie hielt sich entsprechend in Grenzen.

Nun, 3 Wochen später, versinkt ein ganzes Land im Tal der Tränen. Aber nicht etwa, weil die «Azzurri» grandios gescheitert sind, sondern weil sie die Erwartungen fast aller übertroffen haben. Ein Blick in den italienischen Blätterwald:

  • Gazzetta dello Sport: «Kopf hoch. Nach 18 Elfmetern gewinnt dieses Mal Deutschland. Ein unbezwingbares Italien bringt den Weltmeister ins Elfmeterschiessen. Wir sind draussen, aber darauf kann man aufbauen. Herz und Organisation sind unsere Waffen. Die Deutschen brechen den Fluch, aber nur im Elfmeterschiessen.»
  • Corriere della Sera: «Italien, trotzdem Danke! Das unendliche Duell: Die Deutschen zerstören das azurblaue Tabu und ziehen in den Halbfinal ein. Das grosse Herz Italiens reicht nicht aus. Der Weltmeister vertreibt das K.o.-Gespenst, aber wir haben sie ins Schwitzen gebracht.»
Eder (r.) tröstet Lorenzo Insigne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wenn Trost alles ist was bleibt Grenzenlose Enttäuschung bei Lorenzo Insigne und Eder. Keystone

  • Corriere dello Sport: «Der Espresso ist frisch gemacht, diesmal trinken ihn die Deutschen. Italien verneigt sich vor Deutschland, aber es verabschiedet sich erhobenen Hauptes von der EURO.»
  • Tuttosport: «Es tut weh, aber Italiens Weg bei dieser EM hat die Erwartungen aller übertroffen. Die Ära Conte ist beendet. Ab morgen beginnt eine neue unter Ventura.»

Conte rechnet mit Medien ab

Für Italiens Nationalcoach ist das knappe Out im Penaltyschiessen besonders bitter. Für ihn war es der letzte Auftritt an der Seitenlinie der italienischen Nationalmannschaft. Der 46-Jährige hat mit seinem Team mehr erreicht, als ihm viele zugetraut haben. Die «Squadra Azzurra» trägt seine Handschrift – und das nach nur zwei Jahren.

«  Zwei wundervolle Jahre, die in den vergangenen acht Wochen ihren Höhepunkt erlebt haben. »

Antonio Conte

Dass ihm das nicht immer zugetraut worden war, dürfte den stolzen Italiener gekränkt haben. Anders ist seine Abrechnung mit den Medien kaum zu erklären. «Manche wollten jede Chance nutzen, Zweitracht zu säen. Ich habe mich wirklich niemals unterstützt gefühlt. Von niemandem. Nur der Präsident des Verbandes stand immer an meiner Seite. Die Presse aber nicht», sagte Conte.

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Conte: «Eine magische, familiäre Atmosphäre»

3:07 min, vom 3.7.2016

Deutlich sanftere Worte fand der scheidende Italien-Trainer für seine Spieler: «Sie haben einen festen Platz in meinem Herzen. Es waren zwei wundervolle Jahre, die in den vergangenen acht Wochen ihren Höhepunkt erlebt haben. Es ist nur schade, dass es so bitter zu Ende geht.»

Sendebezug: Laufende Berichterstattung zur EURO in Frankreich