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UEFA EURO 2016 Pogba, das unverstandene Genie

Paul Pogba hat einen schwierigen Start in die EURO erlebt. Nun steht er auch noch mitten in einer riesigen Polemik. Der 23-Jährige, der zum grossen Star des Turniers werden soll, schafft es nicht zu überzeugen.

Paul Pogba sitzt am Boden.
Legende: Am Boden? Für Paul Pogba läuft es an der EURO alles andere als rund. imago

Eindeutig, die Nationalmannschaft Frankreichs ist anfällig für Polemiken. Nach der Sextape-Affäre um Karim Benzema, der positiven Dopingkontrolle von Mamadou Sakho und den Rassismusvorwürfen gegen Didier Deschamps ist seit zwei Tagen nun das grosse Theater um Paul Pogba entbrannt.

Eine Art «Rache»?

  • Kurz nachdem Dimitri Payet am Mittwoch das 2:0 gegen Albanien erzielt hatte, feierte Pogba den Treffer mit einer obszönen Geste Richtung Haupttribüne. Dort, wo die Journalisten sitzen.
  • Man betrachtet es als eine Art «Rache» auf die vielen Kritiken seit Beginn des Turniers.
  • Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu giessen, entscheidet der Sender BeIN Sports, der das Turnier in ganz Frankreich überträgt, die Bilder nicht zu zeigen
Legende: Video Die umstrittene Szene um Paul Pogba abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus UEFA Euro 2016 vom 18.06.2016.

Obszöne Geste oder Jubelgeste?

Doch es hat bereits gereicht, um die Polemik loszubrechen. Und statt sich zu entschuldigen und zur Tagesordnung überzugehen, haben sich Pogba und sein Umfeld entschieden, die Tatsachen abzustreiten. Es habe sich um eine Jubelgeste gehandelt, hiess es. Zu spät, das Unglück war passiert. Und der Streit zwischen den Medien und der Öffentlichkeit (mit vielen Pogba-Fans) über den Umgang mit dem Mittelfeld-Star ist aufs Neue entbrannt.

Denn dieser Spieler lässt niemanden kalt und fasziniert die Fans mit seiner genialen Spielweise. Das Problem ist aber, dass man diesen Pogba nur noch bei Juventus Turin sieht. Bei «Les Bleues» kann man seine herausragenden Spiele dagegen an einer Hand abzählen. Sobald er das Steuer für sein Land in die Hand nehmen muss, verschwindet sein Genie.

Er will der Beste werden

Da kann man sich nun fragen, warum die Ansprüche so hoch sind? Es liegt wohl daran, dass Pogba in Interviews häufig selber erklärt, dass er der Beste sein und den Ballon d'Or gewinnen wolle. Da scheint er noch viel Arbeit vor sich zu haben. Eigentlich wäre er der perfekte Fussballer der Moderne: Technisch hochbegabt, risikofreudig, spektakulär, sehr präsent in den sozialen Medien, ein gutes Image. Doch sportlich reicht das alles nicht aus.

Die Ansprüche an einen erst 23-Jährigen sind hoch, vielleicht gar zu hoch. Die Lösung: Alle Parteien sollten die Emotionen runterschrauben. Pogba muss neben und auf dem Feld erwachsener werden, einen einfacheren Fussball spielen. Die Kritiker wiederum dürften etwas gnädiger mit ihm umgehen. Denn alle haben doch das gleiche Ziel: Frankreich am 10. Juli in Paris siegen zu sehen.

Timothé Crépin arbeitet seit 2012 als Fussball-Journalist für das Magazin «France Football». Er ist 27 Jahre alt, stammt aus Reims und wohnt heute in Paris. Er schreibt vor und während der EURO in loser Folge für srf.ch/sport.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Alberto da Vinci, Pratteln
    Pogba ist ein sehr Talentierter Fußballer der noch sehr viel Potenzial nach oben hat.Auch bei Juve hat er seine Zeit gebraucht das ist normal bei so einem so Jungen Spieler. Als bei Juve die Nr. 10 frei wurde bekamm er diese Nr. In den ersten Spielen lief es Juve und ihm auch nicht. Am Schluss wurde Juve Meister. Wenn man weiß wer alles die 10 bei Juve trug kann man sich vorstellen was das heißt. Ähnlich ist es in der NM er soll die Rolle von Zidane übernehmen. Abwarten der wird sich steigern.
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  • Kommentar von Reto Munteler, Zürich
    "entscheidet der Sender BeIN Sports, der das Turnier in ganz Frankreich überträgt, die Bilder nicht zu zeigen" - Typisch Medien: Griff in den Schritt wird mit Hochgenuss verbreitet, Geste von Pogba gegen Journalisten-Hoheiten natürlich nicht.
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