Wenn die Schweiz im Rahmen der EM in ihrem 2. Spiel auf Schottland trifft (19.6.), sind die Vorzeichen klar: Man erwartet auf der anderen Seite kräftige Kempen, die gerne grätschen und aufs gute alte «Kick & Rush» setzen. Doch Schottland ist «mehr als eine Mannschaft, die sehr resolut verteidigt und mit viel Härte spielt». Das sagt einer, der es wissen muss. Goalie Benjamin Siegrist ist seit 2018 in Schottland tätig, zuerst bei Dundee United, nun bei Celtic Glasgow.
In meinen Augen ist er eine Tormaschine.
Trainer Steve Clarke, der seit 2019 in der Verantwortung steht, habe die Mannschaft in den letzten Jahren weiterentwickelt. «Die Qualität ist auch in Schottlands Nationalteam gestiegen. Unter Clarke ist so etwas wie ein Boom festzustellen. Er hat auf eine Dreier- respektive Fünferkette umgestellt, setzt mehr auf Ballbesitz und kontrollierten Aufbau und lässt nicht mehr nur lange Bälle schlagen», erklärt der U17-Weltmeister von 2009.
Die Schotten verfügen über einige feine Kicker in ihren Reihen. Die bekanntesten Spieler sind Liverpools Linksverteidiger Andy Robertson und Scott McTominay von Manchester United. Siegrist verweist aber auch auf die Qualitäten anderer. «Sie haben durchaus Offensivpower, auch nach dem Ausfall von Lyndon Dykes.» Lawrence Shankland von Heart of Midlothian etwa, sein einstiger Teamkollege bei Dundee, blicke auf einige starke Saisons in Schottland mit guter Torquote zurück. «In meinen Augen ist er eine Tormaschine, auch wenn er das im Nationalteam noch nicht beweisen konnte.»
Und doch erwartet Siegrist die Schweiz in der prägenden Rolle: «Es wird ein physischer Match, und die Schweiz wird gegen ein Bollwerk anlaufen. Das Hauptaugenmerk der Schotten dürfte auf der Defensive liegen. Aber mit ihren schnellen Flügeln und Shankland können sie mit Kontern auch offensive Akzente setzen.»
Haaland eliminiert, Spanien bezwungen
Schottland nimmt zum 2. Mal in Folge an einer EM-Endrunde teil. In der Quali überraschten die «Bravehearts» mit 5 Siegen in Serie, darunter war das fast schon legendäre 2:0 gegen Spanien in Glasgow. Die Schotten sind auch der Grund, wieso Superstar Erling Haaland nicht an der EM dabei ist. Aus den beiden direkten Duellen holten sie 4 Punkte (wobei Haaland beim 3:3 verletzt fehlte) und liessen damit die Norweger hinter sich.
Das Team von Trainer Clarke hat bereits bei der letzten EM beim 0:0 gegen den Erzrivalen England gezeigt, dass es die Rolle des unangenehmen Aussenseiters beherrscht. Allerdings fehlt die Konstanz. So folgten auch zuletzt nach den 5 Siegen in der Qualifikation 7 Länderspiele ohne Erfolg. Angeführt von Mittelfeldmotor McTominay wird Schottland versuchen, erneut in einen Lauf zu kommen und im 4. Anlauf nach 1992, 1996 und 2021 erstmals die K.o.-Runde an einer EURO zu erreichen.