Italien, Deutschland und England hiessen Ungarns Gegner in der letzten Nations-League-Kampagne. Aus dieser vermeintlich aussichtslosen Ausgangslage holten die Magyaren fast das Maximum heraus: Mit nur einem Punkt Rückstand auf Italien klassierten sie sich auf dem 2. Rang. Deutschland und vor allem England, das gegen Ungarn 0:1 und 0:4 verlor, hatten das Nachsehen.
Der deutsche Nationalspieler Joshua Kimmich hielt damals fest: «Ich kenne wenige Mannschaften, gegen die es unangenehmer ist anzutreten.»
Ungarn beweist, dass ein Team auch ohne grosse Namen funktionieren kann. Einzig Liverpool-Spieler Dominik Szoboszlai ragt aus dem Ensemble, das in der Qualifikation keine Mühe bekundete und ohne Niederlage Gruppensieger vor Serbien wurde, heraus. Im vorletzten Test setzte es beim (unverdienten) 1:2 in Irland indes einen kleinen Dämpfer ab.
Erinnerungen an die «goldene Elf»
Nach einer 44-jährigen Durststrecke nehmen die Ungarn bereits zum 3. Mal in Folge an einer EM teil. Davor musste das Nationalteam lange unten durch. In Ungarn denkt man deshalb immer noch gerne an die «Aranycsapat» zurück, die «goldene Elf», die nach dem 2. Weltkrieg mit Captain und Rekordtorschütze Ferenc Puskas den Weltfussball dominierte.
Mit einer kurzen Ausnahme in den 1960er-Jahren divergierten seither Ansprüche und Realität. Selbst für die Spieler sei ein Aufgebot fürs Nationalteam bis vor ein paar Jahren eher lästig gewesen, sagt Servette-Verteidiger Bendeguz Bolla, der bereits 16 Mal für Ungarn aufgelaufen ist. «Jetzt ist das aber komplett anders.»
Der Rossi-Effekt
Zum 2. Mal in Folge wird die «Nemzeti Tizenegy» (Nationalelf) von Trainer Marco Rossi an eine EM-Endrunde geführt. Der 59-jährige Italiener, der inzwischen auch die ungarische Staatsbürgerschaft besitzt, ist seit 6 Jahren im Amt und hat ein Team geformt, das nicht zu unterschätzen ist.
Das direkte Duell der Schweiz mit den Ungarn steht gleich zum EM-Auftakt am Samstag, 15. Juni, in Köln an – und wird deshalb richtungsweisend sein.