Am Sonntag bewiesen die Schweizer Leichtathletinnen innert weniger Stunden, dass sich die Sportart aus Schweizer Optik wohl auf einem Allzeit-Hoch befindet. Annik Kälin dominierte das Mehrkampf-Meeting in Ratingen und verbesserte ihren vor wenigen Wochen aufgestellten Schweizer Rekord erneut. Kurz danach wurde auch in Paris gejubelt: Gleich zwei Schweizerinnen gewannen beim Diamond-League-Meeting in der französischen Hauptstadt.
Zwei Schweizer Siege in der Diamond League an einem Abend – das gab es zuvor noch nie. Und das, obwohl mit Ditaji Kambundji die Weltmeisterin über die 100 m Hürden kurzfristig hatte passen müssen. An ihrer Stelle sprangen Stabhochspringerin Angelica Moser und 800-m-Läuferin Audrey Werro in die Bresche.
Werro brilliert und dominiert
Bei Werro hatte der Sieg schon fast erwartet werden dürfen – zum vierten Mal in Folge triumphierte sie auf höchster Stufe in der Diamond League (mehr Erfolge auf dieser Stufe kann niemand aus dem Verband Swiss Athletics vorweisen). Sie tat dies mit einer beeindruckenden Dominanz. Die Freiburgerin absolvierte die zwei Bahnrunden in 1:53,80 Minuten und damit so schnell wie noch nie zuvor.
Persönliche Bestleistung, Schweizer Rekord, Diamond-League-Rekord: alles erneut verbessert. Der Weltrekord (1:53,28) scheint mittlerweile kein kühner Traum mehr zu sein, sondern durchaus realistisch. Mit ihren 22 Jahren steht sie zudem erst am Anfang ihrer Karriere. Ihren bekannten «Löwinnen-Jubel» wird man in Zukunft noch oft zu sehen bekommen.
Moser stark unterwegs
Auch Moser unterstrich in Paris ihre starke Form. Nach zwei 3. Plätzen in Rom und Rabat in diesem Jahr holte die 28-Jährige ihren zweiten Diamond-League-Sieg der Karriere. Das Selbstvertrauen war so gross, dass sie sich nach dem sicheren Sieg sogar noch daran versuchte, ihren eigenen Schweizer Rekord zu brechen. Auf den 4,90 Metern erlebte sie jedoch eine Schrecksekunde, als ihr Stab wegspickte und sie unsanft landete. Danach bekundete sie Schmerzen am Fuss.
Mit Blick auf die Europameisterschaften in Birmingham (10. bis 16. August) ist zu hoffen, dass sich Moser nicht schwer verletzt hat. Mit ihrer aktuellen Form hat die Zürcherin beste Chancen, ihren Titel aus dem Jahr 2024 zu verteidigen.
Überholen die Frauen die Männer?
Bei ebendieser EM in Rom 2024 hatte die Schweiz insgesamt neun Medaillen geholt, sechs die Männer und drei die Frauen. Das dürfte in diesem Jahr anders aussehen. Bei Moser, Werro und Kälin wäre alles ausser Edelmetall eine Enttäuschung. Ditaji Kambundji ist als Weltmeisterin die Frau, die es zu schlagen gilt. Und auch ihre Schwester Mujinga Kambundji hofft nach der Mutterschaftspause auf eine EM-Teilnahme.