Gleich 4 Bestmarken stellte Werro an diesem aussergewöhnlichen Sonntag auf: Jahresweltbestleistung, Meeting-Rekord, Diamond-League-Rekord und Schweizer Rekord. Dieser Exploit kam auch für die 22-Jährige trotz ihrem Sieg vor Wochenfrist in Rabat etwas unerwartet.
«Es war nicht mein Ziel heute, solch eine Zeit zu laufen. Ich wollte einfach schnell sein und bei Keely (Hodgkinson, die Red.) bleiben – jetzt bin ich vor ihr», sagte eine strahlende Werro im SRF-Interview. Sie brauche nun eine Woche, um über diese Performance nachzudenken. «Es ist crazy, ich bin sehr glücklich mit meiner Zeit.»
Eine Zeit wie aus den 1980er Jahren
Die Freiburgerin liess auf der Zielgeraden nicht nur erstmals die Olympiasiegerin Hodgkinson aus Grossbritannien hinter sich. Sie verbesserte mit ihren 1:53,98 auch Ihren Schweizer Rekord, den sie letztes Jahr bei Weltklasse Zürich mit dem Sieg im Diamond-League-Final auf 1:55,91 gesenkt hatte, um fast zwei Sekunden.
Der Weltrekord der Tschechin Jarmila Kratochvilova aus dem Jahr 1983 steht bei 1:53,28 Minuten. Den zweitbesten Wert hält die Russin Nadeschda Olissarenki mit einem Lauf unter 1:54 Minuten im Jahr 1980. Werro ist die erste Athletin seit über 40 Jahren, die unter 1:54 Minuten geblieben ist. Auch die intergeschlechtliche Caster Semenya aus Südafrika hatte dies nie geschafft.
Klopfenstein macht Tempo – Hodgkinson spornt Werro an
Das Rennen war auf die Fähigkeiten von Frontläuferin Werro zugeschnitten. Sie wusste die hervorragende Arbeit der Tempomacherin Rachel Klopfenstein aus dem Jura (startet seit einigen Wochen für Mauritius) voll auszunutzen. Klopfenstein absolvierte die erste Runde in 55,54 Sekunden knapp vor der Freiburgerin. Hodgkinson ging dann auf der Gegengeraden zum Angriff über, was Werro nach eigenen Aussagen zusätzlich anspornte.
Die Britin konnte gegen Werros fulminanten Endspurt nichts ausrichten und wurde abgefangen. Immerhin gelang auch Hodgkinson in 1:54,33 Minuten ein nationaler Rekord. «Das war wie ein EM-Final und gibt mir viel Motivation», so Werro. Im August finden die Europameisterschaften erstmals in England (Birmingham) statt. Das Duell Hodgkinson vs. Werro dürfte auch dann viel Beachtung erhalten.