«Krugeln»: Ein Sport, den nur noch die Huttwiler betreiben

Huttwil im Kanton Bern beheimatet den letzten Krugelverein der Schweiz. Jeden Samstag werfen die «Immergrünen» ihre Krugeln über den Huttwilberg. Im Team spielt man gegeneinander. Jenes mit der grössten Gesamtdistanz gewinnt.

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Der letzte Krugelverein der Schweiz

4:29 min, aus sportlounge vom 22.9.2014

Die Mitglieder des «Krugelvereins Immergrün» besammeln sich am späten Samstagnachmittag beim Werkhof. Dem Verein gehören ca. ein Dutzend ältere und jüngere «Krugler» an. Paul Gerber lost wie immer die zwei Teams aus, die gegeneinander spielen.

Die «Nahen» gegen die «Weiten»

Das macht er raffiniert: Von jedem seiner Kollegen erhält er einen Gegenstand. Jeweils zwei der Gegenstände wirft er über seine Schulter. Hinter seinem Rücken, auf dem Kies, liegt das Spielgerät, eine Kugel aus Stahl, die sogenannte «Krugel». Die Spieler, deren Gegenstände näher an der Krugel landen, gehören zum Team der «Nahen». Sie krugeln gegen die «Weiten». Gleich neben dem Werkhof, auf der Asphaltstrasse geht es dann bergwärts los.

Das Spiel

Die beiden Mannschaften rollen die 1 kg schwere Kugel abwechslungsweise so weit wie möglich dem Weg entlang nach vorne. Von dort aus, wo die «Krugel» liegen bleibt, wirft der Nächste des jeweiligen Teams. Hat jeder einmal geworfen, wird abgerechnet. Jenes Team mit der grösseren Gesamtdistanz erhält einen Punkt. Jene Mannschaft, die zuerst vier Punkte hat, gewinnt das Spiel.

Die Geschichte

Diese Variante des Deutschen «Bosseln» kommt aus der Zeit der Reisläufer. Zwischen dem 14. bis zum 17. Jahrhundert haben sich die Soldaten mit dem Werfen von Kanonenkugeln Ablenkung verschafft. Von Obwalden bis Bern frönten die Söldner und Soldaten dem Spiel. Heute sind die Huttwiler - die Vereinsgründung datiert aus dem Jahre 1950 - die letzten Aktiven der Schweiz.

Mit Technik und Kraft

Die Krugler kennen ihre Strecke. Geschickt werden abschüssige Strassen als Steilwandkurven genutzt. Auf den Kieswegen, in Richtung Plattenbergwald, wird die Krugel mehr geworfen als gerollt. Jeder Spieler versucht, unglückliche Richtungsänderungen des Spielgeräts zu vermeiden. Die jungen Männer versuchen es mit Kraft, die erfahrenen, älteren mit Technik. Nach dem Spiel sitzen die «Immergrünen» gemütlich zusammen und lassen den Abend ausklingen.

Sendebezug: SRF zwei, sportlounge, 22.09.2014 22:25 Uhr