«Fifty-Fifty-Chance» auf eine WM-Medaille

Ob sich der internationale Leichtathletikverband mit dieser Premiere einen Gefallen macht? Erstmals werden bei den Frauen auch über 50 km Gehen WM-Medaillen vergeben – am Start in London stehen lediglich 7 Athletinnen.

Erin Talcott auf der Strecke. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Erin Talcott Geherin und Anpeitscherin. Getty Images

  • 3 Amerikanerinnen
  • 2 Chinesinnen
  • 1 Brasilianerin
  • 1 Portugiesin

Kein Scherz! So setzt sich das komplette Teilnehmerinnenfeld über 50 km Gehen zusammen. Zu siebt werden sich die Athletinnen im Alter von 20 bis 42 Jahren am Sonntagmorgen auf der Strecke vorbei am Buckingham Palace um drei WM-Medaillen streiten. Bei einer Wettkampfdauer von 4:08 bis fast 5 Stunden versteht sich von selbst, dass das Feld nicht schon mittels Vorläufen und Halbfinals reduziert worden ist.

Mehr als ein Septett liess sich für die kurzfristig anberaumte Premiere an Welttitelkämpfen in dieser Disziplin schlichtweg nicht bewegen. Macht also für die Gemeldeten quasi eine «Fifty-Fifty-Chance» zum Sprung aufs Podest.

Was halten Sie von dieser Premiere?

  • Aller Anfang ist schwer. Aber ist doch gut, dass die letzte Männerbastion gefallen ist.

    33%
  • Ein lachhafter Entscheid, der überhaupt nicht im Sinne des Spitzensports ist.

    67%
  • 2078 Stimmen wurden abgegeben

«Das ist ein grosser und wunderbarer Schritt für die Frauenrechte», ruft Erin Talcott enthusiastisch aus. Die 39-Jährige macht sich seit langer Zeit stark dafür, dass in der Geher-Szene die Langstrecke nicht den Männern vorbehalten ist (bislang führten der Frauen-Wettbewerb nur über 20 km). Talcott ist denn auch eine aus dem Mini-Starterfeld.

Krampfhaftes Bemühen um Gleichberechtigung

Für viele andere dagegen ist diese Entscheidung eine Farce. Ein unzulängliches Beispiel dafür, dass der internationale Leichtathletikverband IAAF dem Druck der Gleichberechtigung stattgeben musste. Entsprechend waren in der vergangenen Saison die 50 km an der Team-WM in Rom erstmals für die Frauen geöffnet worden. Talcott war damals die einzige Starterin.

«  Ich begrüsse diese Ergänzung, die einen der letzten wichtigen Schritte zu gleichen Wettbewerbsmöglichkeiten für Männer und Frauen bei der IAAF sicherstellt. »

Sebastien Coe

So liess sich vor einem Jahr der IAAF-Präsident zitieren. Mittlerweile ist dieser 48. Medaillensatz in London für Coe eher ein Dorn im Auge. Wie folgt machte der Brite seinem Unmut darüber wie Luft:

«  Wir müssen einräumen, dass die Last-Minute-Entscheidung für die Einführung dieses Events in London auf die Forderung einer kleinen Gruppe von Athleten zurückzuführen ist. »

Kein eigenes Rennen

Einen Soloauftritt wird den 7 Geherinnen dann aber doch nicht eingeräumt. Ihr Rennen ist in jenes der Männer eingebettet und führt 25 Mal über Zwei-Kilometer-Runden.

Schweizer Duo im Gehen am Start

Am WM-Schlusstag ist die Schweiz bei den Gehern mit zwei Athleten vertreten. Alejandro Florez tritt über die 50-km-Distanz an, bei seinem WM-Debüt 2013 reichte es dem heute 46-Jährigen zu Rang 51 unter 54 Klassierten. Mit etwas mehr Ambitionen, aber ebenfalls ohne Aussicht auf einen Topplatz startet Laura Polli (33) am frühen Nachmittag über 20 km. Die Tessinerin unterbot zum 3. Mal in Folge die WM-Limite.
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Laura Pollis Zieleinlauf bei der Heim-EM

1:19 min, vom 14.8.2014

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 12.08.2017 11:00 / 19:55 Uhr