Die Langlaufbibel liefert die Antwort

Die Übermacht der norwegischen Langläufer, die an der WM in Falun zu den Kronfavoriten zählen, schreit nach Erklärungen. Teamdirektor Age Skinstad hat kürzlich in Gespräch mit der «SonntagsZeitung» mögliche Ansätze geliefert und dabei auch Geheimnisse verraten.

Petter Northug begibt sich mit der norwegischen Fahne auf eine Ehrenrunde. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Fahne gehisst Die Norweger verdanken ihre Dominanz auch Petter Northug, der gleich im 1. WM-Rennen Gold gewann. Keystone

Im während der Tour de Ski in der SonntagsZeitung veröffentlichten Interview gewährte Age Skinstad einen spannenden Blick hinter die Kulissen. Der Direktor der norwegischen Langläufer sprach ganz freimütig über die begnadete Arbeit der Trainer und Funktionäre, die im 5-Millionen-Einwohner-Land geleistet wird.

Age Skinstad im Porträt Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Age Skinstad «Wir sind Freunde vieler Trainingsstunden.» Imago

Nachfolgend einige Auszüge aus einer Reihe bemerkenswerter Zitate des 50-Jährigen, die am 11. Januar in der SonntagsZeitung abgedruckt waren.

  • Skinstad über die ewige Rivalität mit Schweden, die nun ausgerechnet WM-Gastgeber sind: «Lieber gewinnt Deutschland, als dass wir hinter den Schweden Silber holen.» Er räumte ein, wie schmerzhaft es war, dass ausgerechnet das Tre-Kronor-Team seinen Schützlingen an den Olympischen Spielen in Sotschi in beiden Staffeln den Sieg wegschnappte. Dafür wolle sich Norwegen revanchieren.
  • Die Frage, was sein Verband besser mache als andere Nationen, beantwortete Skinstad wie folgt: «Wir sorgen für eine einheitliche Coachingkultur. Schon die 12-Jährigen werden nach der gleichen Philosophie wie die Besten trainiert – natürlich altersgerecht.» Und weiter: «Wir haben unser Wissen, quasi unsere Langlaufbibel, vor 2 Jahren in einem Buch herausgebracht. Dieses lassen wir zurzeit übrigens übersetzen.»
  • Als weiteren Ansatz für den Erfolg erwähnt er: «Wir sind Freunde vieler Trainingsstunden, weil wir gelernt haben, wie effektiv sie sind. Unsere Besten kommen pro Jahr auf gegen 1000.» Intensiv dagegen würden sie sehr wenig trainieren. So bestreiten die Athleten die Mehrheit der Einheiten höchstens mit 72 Prozent des Maximalpulses, um sich schneller zu erholen.
  • Und weiter äusserst sich der Nordländer überraschend dahingehend, dass seine gewonnenen Erkenntnisse für die Konkurrenz nicht tabu sind: «Wir wollen unser Wissen mit anderen Nationen teilen – sogar mit den Schweden. Denn wir wissen, dass zu einseitige Wettkämpfe mit der Zeit langweilig werden.»
  • Das Interview schliesst damit, wie rigoros die Norweger im Bekämpfen von Doping vorgehen. Skinstad verweist auf eine Detailpflege: «An den Rennen buchen wir möglichst Zimmer mit Holzböden. Denn Teppiche können wahre Schmutzablagen sein.»

In der Theorie klar besser

In jüngeren Jahren hatte Skinstad das Erfolgsrezept übrigens noch nicht in Perfektion raus. Denn seine Aktivkarriere war von eher bescheidenem Erfolg gekrönt. Zwar feierte er in den 1990-er Jahren als Staffelläufer einmal einen Weltcup-Sieg. Als beste Einzel-Rangierung weist er hingegen einen 13. Platz aus.

Sendebezug: Radio SRF 1, Morgenbulletin, 18.02.15 06:00 Uhr / SRF zwei, sportlive, 19.2.15, 15:00 Uhr